Nach über 100 Jahren: Schweiß- und Maschinenbau-Unternehmen pleite

Ein Traditionsunternehmen mit über 100 Jahren Geschichte ist insolvent

Die Dalex Automation & Welding GmbH aus Wissen ist pleite – ein weiterer schwerer Schlag für die Industrie in Rheinland-Pfalz. Das Unternehmen blickt auf mehr als ein Jahrhundert Erfahrung in der Entwicklung und Herstellung von Schweißmaschinen und Hochleistungs-Transformatoren zurück. Gegründet im Jahr 1911 in Solingen-Ohligs, zählte Dalex zu den etablierten Akteuren in der Schweißtechnik. Die aktuelle maschinenbau insolvenz ist bereits die zweite Pleite innerhalb von drei Jahren und wirft ein Schlaglicht auf die anhaltende Krise in der Branche. Seit dem 27. April 2026 läuft ein vorläufiges Insolvenzverfahren, das die Zukunft des Traditionsunternehmens und seiner Belegschaft ungewiss macht.

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Die Nachricht von der erneuten Insolvenz kommt nicht aus heiterem Himmel. Bereits 2023 hatte Dalex ein Verfahren in Eigenverwaltung beantragt, das durch den Einstieg der Max Valier Holding beendet werden konnte. Die anschließende Restrukturierung schien das Unternehmen zunächst zu stabilisieren. Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich verschlechtert, sodass die Fortführung nun erneut gefährdet ist. Für viele mittelständische Betriebe im Maschinenbau ist dies ein bekanntes Muster: Hohe Fixkosten, volatile Auftragslagen und Unsicherheiten auf den globalen Märkten setzen selbst traditionsreiche Firmen unter Druck.

Die zweite Pleite in drei Jahren – was ist passiert?

Die erneute Insolvenz wirft Fragen auf, insbesondere nach den Ursachen und den getroffenen Gegenmaßnahmen. Nachdem der Einstieg der Holding die erste Pleite 2023 beendet hatte, stellte sich Dalex neu auf. Das Unternehmen konzentrierte sich seither auf die Kernbereiche Schweißtechnik, Engineering, Transformatorenbau sowie den Aufbau spezialisierter Maschinen und Anlagen. Ein zentraler Schritt war die Schließung des Produktionsstandorts in Wissen im Jahr 2025, bei der 55 Mitarbeiter ihre Stelle verloren. Große Teile der Fertigung wurden ausgelagert oder eingestellt, um Kosten zu senken.

Geschäftsführer Robert Nijland nennt als Hauptgründe für die erneute Schieflage fehlende Liquidität und einen verzögerten Auftragseingang. Er führt dies auf die angespannte geopolitische und wirtschaftliche Lage zurück. Viele Kunden zögern demnach mit Investitionsentscheidungen, was zu Auftragslücken führt, die ein Unternehmen mit hohen Fixkosten nicht lange durchhalten kann. Die maschinenbau insolvenz von Dalex zeigt damit exemplarisch, wie externe Faktoren selbst gut aufgestellte Firmen in die Krise stürzen können.

Die Chronologie der Ereignisse im Überblick

  • 1911: Gründung des Unternehmens in Solingen-Ohligs
  • 2023: Erste Insolvenz in Eigenverwaltung, Rettung durch Max Valier Holding
  • 2025: Schließung des Produktionsstandorts Wissen, 55 Mitarbeiter entlassen
  • 27. April 2026: Vorläufiges Insolvenzverfahren wird eröffnet
  • Derzeit: Etwa 50 Mitarbeiter beschäftigt, Investor wird gesucht

Diese Abfolge verdeutlicht, dass selbst eine erfolgreiche Restrukturierung keine dauerhafte Garantie für Stabilität bietet, wenn die Marktbedingungen widrig bleiben.

55 Mitarbeiter verloren bereits ihren Job – weitere 50 bangen um ihre Zukunft

Die personellen Auswirkungen der Krise sind gravierend. Bereits 2025 traf die Standortschließung in Wissen die Belegschaft hart: 55 Mitarbeiter mussten das Unternehmen verlassen. Aktuell sind noch rund 50 Beschäftigte bei Dalex tätig. Für sie ist die Situation besonders belastend, da die Zukunft ungewiss ist. Ein vorläufiger Insolvenzverwalter wurde eingesetzt, der nun die Geschicke des Unternehmens lenkt und nach einem Investor sucht.

Die betroffenen Mitarbeiter stehen vor der Frage, ob sie ihre Arbeitsplätze langfristig behalten können. Im Falle einer vollständigen Abwicklung müssten sie sich neu orientieren – auf einem regionalen Arbeitsmarkt, der durch mehrere Insolvenzen im Maschinenbau bereits unter Druck steht. Die Stadt Wissen und das Umland in Rheinland-Pfalz haben nur begrenzte Aufnahmekapazitäten für Fachkräfte aus der Schweißtechnik. Aus Sicht eines ehemaligen Ingenieurs böte sich womöglich die Chance, ein eigenes Start-up zu gründen und Patente aus der Insolvenzmasse zu übernehmen – eine Option, die in der Praxis jedoch hohes Kapital und unternehmerisches Risiko erfordert.

Welche Fristen und Formalitäten müssen Gläubiger und ehemalige Mitarbeiter beachten?

Für Gläubiger und ehemalige Beschäftigte, die noch offene Forderungen haben, ist es wichtig, die formalen Schritte fristgerecht einzuleiten. In einem vorläufigen Insolvenzverfahren müssen Forderungen innerhalb einer bestimmten Frist beim Insolvenzverwalter angemeldet werden. Die Frist wird in der Regel im Bundesanzeiger bekannt gegeben. Ehemalige Mitarbeiter sollten prüfen, ob ihnen Ansprüche auf ausstehende Löhne, Abfindungen oder Urlaubsabgeltungen zustehen. Auch diesbezüglich ist eine zeitnahe Anmeldung erforderlich, um nicht leer auszugehen. Ein auf Insolvenzrecht spezialisierter Anwalt kann bei der korrekten Anmeldung helfen.

Geopolitische Lage als Ursache für Auftragsrückgang?

Geschäftsführer Robert Nijland nennt explizit die geopolitische und wirtschaftliche Lage als Grund für den verzögerten Auftragseingang. Dahinter steckt ein Phänomen, das viele Unternehmen im Maschinenbau aktuell spüren: Kunden verschieben Investitionen, weil sie die globale Entwicklung als zu unsicher einschätzen. Konflikte, Handelsstreitigkeiten und schwankende Rohstoffpreise führen zu einer allgemeinen Zurückhaltung. Wenn Großprojekte auf Eis gelegt werden, trifft das Zulieferer und Spezialmaschinenbauer besonders hart, da ihre Auftragsbücher oft großvolumige Einzelaufträge enthalten.

Für einen mittelständischen Kunden, der regelmäßig Schweißanlagen von Dalex bezog, bedeutet dies konkrete Probleme: Er muss nun kurzfristig Ersatzlieferanten finden, um Produktionsstillstände zu vermeiden. Die maschinenbau insolvenz eines langjährigen Partners zwingt ihn, seine Lieferkette neu zu strukturieren. Solche Suchprozesse sind zeit- und kostenintensiv und können die Produktion des Kunden ebenfalls verzögern – ein Dominoeffekt, der die gesamte Branche belastet.

Insolvenzverwalter hebt technologische Stärke hervor

Trotz der schwierigen Lage gibt der vorläufige Insolvenzverwalter Dirk Obermüller von der Kanzlei dhpg einen optimistischen Ausblick. Er betont, dass das Unternehmen über eine starke technologische Basis und eine etablierte Marktstellung in der Widerstandsschweißtechnik verfügt. Es lägen konkrete Projektanfragen nationaler und internationaler Industriekunden vor – ein Indiz dafür, dass die Technologie von Dalex weiterhin am Markt gefragt ist.

Die Spezialkenntnisse im Bereich Hochleistungstransformatoren und Widerstandsschweißen machen das Unternehmen für potenzielle Investoren attraktiv. Ein ausländischer Investor, der in den europäischen Markt für Spezialtransformatoren einsteigen möchte, könnte die Übernahme der Dalex-Technologie prüfen. Auch die Patente und das langjährige Know-how der Ingenieure sind wertvoll. Die Suche nach einem Investor läuft bereits auf Hochtouren, und Obermüller zeigt sich zuversichtlich, einen Käufer zu finden, der das Unternehmen fortführen kann.

Welche Technologien und Patente machen Dalex trotz Pleite attraktiv?

Dalex hat sich über Jahrzehnte einen Namen in der Widerstandsschweißtechnik gemacht. Diese Technologie wird in der Automobilindustrie, im Anlagenbau und in der Luftfahrt eingesetzt, um Metallteile dauerhaft zu verbinden. Die Hochleistungstransformatoren von Dalex zeichnen sich durch Effizienz und Zuverlässigkeit aus. Auch im Bereich der Steuerungstechnik und Automatisierung von Schweißprozessen verfügt das Unternehmen über geschütztes Know-how. Für einen Investor, der in diesen Nischenmärkten Fuß fassen möchte, sind diese Patente und Entwicklungsarbeiten von hohem Wert. Sie bieten eine Einstiegsmöglichkeit in einen spezialisierten Markt mit etablierten Kundenbeziehungen.

Weitere Maschinenhersteller in Rheinland-Pfalz und Thüringen ebenfalls betroffen

Dalex ist kein Einzelfall. In Rheinland-Pfalz hat erst kürzlich ein weiterer Maschinenhersteller nach 70 Jahren Insolvenz angemeldet, von der 110 Mitarbeiter betroffen sind. In Thüringen musste sogar ein Weltmarktführer im Spezial-Maschinenbau den Gang zum Amtsgericht antreten. Diese Häufung von Insolvenzen deutet auf strukturelle Probleme in der Branche hin. Viele Traditionsunternehmen haben hohe Fixkosten, die bei schwankender Auftragslage schnell zur Belastung werden. Die Umstellung auf Industrie-4.0-Standards erfordert zudem erhebliche Investitionen, die nicht jedes Unternehmen stemmen kann.

Die wirtschaftliche Lage bringt derzeit diverse Unternehmen ins Straucheln. Ein Blick auf die Lieferkettensicherheit zeigt, dass die Abhängigkeit von einzelnen Zulieferern riskant ist. Für die Stadt Wissen bedeutet die maschinenbau insolvenz von Dalex einen weiteren Verlust an Industriearbeitsplätzen. Die Kommune prüft nun Maßnahmen zur Abfederung des Arbeitsplatzverlusts, etwa Fördermittel für regionale Strukturhilfe. Auch andere Kommunen in der Region stehen vor ähnlichen Herausforderungen, da die Insolvenzwelle den gesamten Mittelstand erfasst.

Überblick über aktuelle Insolvenzen im deutschen Maschinenbau (Auszug)

Unternehmen Sitz Betroffene Mitarbeiter Besonderheit
Dalex Automation & Welding GmbH Wissen, Rheinland-Pfalz ~50 (noch beschäftigt) Zweite Insolvenz in drei Jahren
N.N. (Maschinenhersteller) Rheinland-Pfalz 110 Nach 70 Jahren Insolvenz
Weltmarktführer Spezial-Maschinenbau Thüringen nicht genannt Weltmarktführer betroffen

Diese Tabelle verdeutlicht, dass die Probleme nicht auf einen einzelnen Betrieb beschränkt sind, sondern eine breite Basis im deutschen Maschinenbau erfassen.

Wie wirkt sich die erneute Insolvenz auf laufende Wartungsverträge aus?

Kunden von Dalex, die noch laufende Wartungsverträge oder Gewährleistungsansprüche für bereits gelieferte Schweißmaschinen haben, stehen vor einer unsicheren Situation. Im vorläufigen Insolvenzverfahren können solche Verträge zunächst ruhen oder von Verwalter gekündigt werden. Ersatzteile und Serviceleistungen sind möglicherweise nicht mehr in gewohnter Qualität verfügbar. Ein betroffener Kunde sollte umgehend Kontakt zum vorläufigen Insolvenzverwalter aufnehmen, um die Fortführung der Wartung zu klären. Gegebenenfalls müssen Alternativen gesucht werden, etwa andere Schweißtechnik-Anbieter, die kompatible Komponenten liefern können. Die Sicherung der Produktionsfähigkeit hat oberste Priorität.

Lieferkettensicherheit im Maschinenbau: Lehren aus der Dalex-Pleite

Die Insolvenz von Dalex zeigt, wie wichtig es ist, Lieferketten resilient zu gestalten. Unternehmen, die auf spezialisierte Zulieferer angewiesen sind, sollten nicht alle Aufträge an einen einzigen Hersteller vergeben. Eine Diversifikation der Bezugsquellen kann Produktionsstillstände im Krisenfall verhindern. Auch die vertragliche Absicherung von Wartungs- und Ersatzteilleistungen ist zu empfehlen. Im konkreten Fall von Dalex sollten betroffene Kunden prüfen, ob sie Eigenfertigung von Ersatzteilen aufbauen oder auf andere Schweißtechnik-Hersteller umsteigen können. Die aktuellen Projektanfragen, die der Insolvenzverwalter nennt, deuten darauf hin, dass die Nachfrage nach Dalex-Technologie weiterhin besteht – eine Chance für Investoren, die das Unternehmen als Ganzes oder in Teilen übernehmen möchten.

Perspektive für das Traditionsunternehmen: Wie geht es weiter?

Die Suche nach einem Investor läuft auf Hochtouren. Der Insolvenzverwalter sieht gute Chancen, dass ein Käufer gefunden wird, der die technologische Basis und die Marktstellung von Dalex nutzen möchte. Ein ausländischer Investor könnte beispielsweise die Hochleistungstransformatoren-Technologie übernehmen, um in den europäischen Markt einzusteigen. Ein inländischer Mitbewerber könnte sein Portfolio durch die Schweißtechnik-Sparte ergänzen. Auch ein Management-Buy-out durch ehemalige Führungskräfte oder Ingenieure ist denkbar, falls diese die finanziellen Mittel aufbringen können. Die Stadt Wissen und das Land Rheinland-Pfalz werden sich vermutlich bemühen, die Arbeitsplätze zu erhalten und Fördermittel bereitzustellen. Bis zur endgültigen Entscheidung bleibt die Belegschaft jedoch in der Schwebe.

Die maschinenbau insolvenz von Dalex ist ein Weckruf für die gesamte Branche. Sie zeigt, dass selbst ein Unternehmen mit über 100 Jahren Geschichte, einer starken technologischen Basis und einer etablierten Marktstellung nicht immun gegen die Auswirkungen geopolitischer Unsicherheiten und wirtschaftlicher Schwankungen ist. Die Erfahrungen aus der Restrukturierung 2023 haben gezeigt, dass eine einmalige Rettung nicht ausreicht, wenn die Rahmenbedingungen sich weiter verschlechtern. Für die Zukunft des Unternehmens hängt alles davon ab, ob ein Investor gefunden wird, der nicht nur Kapital, sondern auch eine langfristige Strategie und das Vertrauen der Kunden mitbringt.

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