Eine vergessene Powerbank im Frachtraum zwingt einen EasyJet-Flug von Hurghada nach London zur Notlandung in Rom – und versetzt 180 Passagiere in Angst. Lithium-Ionen-Akkus sind aus gutem Grund im aufgegebenen Gepäck vieler Airlines verboten. Dieser Vorfall zeigt eindrücklich, welche Kettenreaktion ein kleiner Moment der Unachtsamkeit auslösen kann und warum die strikten Sicherheitsvorschriften im Luftverkehr so essenziell sind.

Die Durchsage, die 180 Passagiere in Alarmbereitschaft versetzte
Der EasyJet-Flug EZY2618 hatte am vergangenen Dienstag planmäßig vom ägyptischen Badeort Hurghada in Richtung London abgehoben. Rund 180 Urlauber befanden sich an Bord des Ferienfliegers, der gemächlich seiner Reiseflughöhe von etwa 11.000 Metern entgegenstieg. Was die Passagiere zu diesem Zeitpunkt nicht wussten: Im Frachtraum, irgendwo zwischen den Koffern mit Badekleidung und Urlaubsandenken, schlummerte eine unscheinbare Gefahr. Eine Passagierin hatte beim Einchecken ihre Powerbank im aufgegebenen Gepäck vergessen. Medienberichten zufolge soll an der Powerbank sogar noch ein Handy angeschlossen gewesen sein – eine Kombination, die das Risiko einer unkontrollierten Entladung oder Überhitzung zusätzlich erhöht. Erst als die Maschine bereits ihre Reiseflughöhe erreicht hatte und über internationalem Luftraum gen Nordwesten steuerte, bemerkte die Frau ihren Fehler. Sie informierte umgehend die Crew, die wiederum das Cockpit verständigte. Kurz darauf hallte eine Durchsage des Kapitäns durch die Kabine, die allen Anwesenden das Blut in den Adern gefrieren ließ: „Da ist etwas im Frachtraum, das dort nicht sein sollte.“
Warum die Maschine über der Adria plötzlich abdrehte
Für den Piloten war die Situation eindeutig: Eine Powerbank im Frachtraum stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar, das einen unverzüglichen Kurswechsel rechtfertigt. Der Kapitän entschied sich vorsorglich zur Umleitung nach Rom-Fiumicino. Diese Entscheidung fiel nicht aus einer Laune heraus. Im Gegensatz zur Kabine gibt es im Frachtraum keine Crew, die im Fall einer Rauchentwicklung oder eines Feuers sofort eingreifen könnte. Ein Brand, ausgelöst durch einen thermischen Durchgeher eines Lithium-Ionen-Akkus, könnte sich im Unterdeck unbemerkt ausbreiten und binnen weniger Minuten katastrophale Folgen haben. Die Maschine, die sich zu diesem Zeitpunkt über der Adria befand, drehte abrupt ab und nahm Kurs auf die italienische Hauptstadt. Dieser unerwartete Richtungswechsel versetzte die Passagiere in Angst, wie ein Reisender später gegenüber der Zeitung „The Sun“ schilderte: „Plötzlich änderte das Flugzeug die Richtung und begann zu sinken. Es war schwer, nicht vom Schlimmsten auszugehen.“
Die bangen Minuten an Bord aus Passagiersicht
Die Stimmung an Bord muss angespannt gewesen sein. Ohne genaue Informationen über den Grund des Kurswechsels malten sich viele Passagiere Horrorszenarien aus. Der unerwartete Sinkflug und die plötzliche Kursänderung weckten bei einigen Urlaubern Erinnerungen an Flugzeugentführungen oder technische Defekte. Eine offene Kommunikation seitens der Crew war in dieser Situation entscheidend, doch die Details sickerten erst nach der Landung durch. Ein britischer Passagier beschrieb die Erleichterung unter den Reisenden, als klar wurde, dass es sich um eine vergessene Powerbank und keine Bombe handelte: „Es war fast eine Erleichterung, als die Frau zugab, dass es die Powerbank war. Zum Glück war es keine Bombe im Frachtraum.“ Die Landung in Rom-Fiumicino verlief ohne Zwischenfälle. Die Sicherheit aller an Bord war zu keiner Zeit akut gefährdet – gerade weil der Pilot so besonnen und vorschriftsgemäß handelte. Dennoch war die Odyssee für die Passagiere noch nicht zu Ende.
Wie die Airline auf den Vorfall reagierte
EasyJet bestätigte den Vorfall und erklärte, der Kapitän habe „vorsorglich und entsprechend der Sicherheitsvorschriften“ gehandelt. Diese Formulierung unterstreicht, dass es sich nicht um eine Überreaktion, sondern um eine standardgemäße Sicherheitsmaßnahme handelte. Die Airline betonte zudem, dass Powerbanks im aufgegebenen Gepäck strikt verboten sind und ausschließlich im Handgepäck transportiert werden dürfen. Nach der unplanmäßigen Landung in Rom begann für die gestrandeten Passagiere eine lange Nacht. Die Airline organisierte Hotelunterkünfte für einen Teil der Reisenden, während andere die Nacht im Terminal von Fiumicino ausharren mussten, bis ein Weiterflug nach London organisiert werden konnte. Für viele Urlauber endete die Reise damit nicht nur mit einer gehörigen Portion Adrenalin, sondern auch mit einer unerwarteten Übernachtung in Italien und erheblichen Verspätungen. Die logistische Herausforderung, 180 Personen kurzfristig unterzubringen oder umzubuchen, zeigt, welche operativen Konsequenzen ein einzelner Fehler beim Packen haben kann.
Das Risiko von Lithium-Ionen-Akkus im Flugzeug
Lithium-Ionen-Akkus, wie sie in Powerbanks, Smartphones, Laptops und Tablets verbaut sind, bergen ein unterschätztes Gefahrenpotenzial. Bei Beschädigung, Kurzschluss oder Überhitzung können sie in einen Zustand geraten, den Experten als „thermal runaway“ bezeichnen – einen thermischen Durchgeher. Dabei erhitzt sich die Batterie unkontrolliert, bläht sich auf, setzt giftige Gase frei und kann mit einer Temperatur von mehreren hundert Grad Celsius in Flammen aufgehen. Im Passagierraum eines Flugzeugs kann die Crew einen solchen Zwischenfall meist schnell eindämmen, etwa mit speziellen Löschbehältern oder durch Kühlung. Im Frachtraum hingegen gibt es keine unmittelbare Eingreifmöglichkeit. Ein Brand würde erst von den Sensoren des Brandunterdrückungssystems registriert werden, das jedoch für einen Lithium-Akku-Brand nur bedingt ausgelegt ist. Die Energiedichte moderner Akkus macht selbst kleine Geräte zu einer potenziellen Zündquelle, deren Zerstörungskraft oft unterschätzt wird. Aus diesem Grund verbieten viele Fluggesellschaften – darunter auch EasyJet – Powerbanks im aufgegebenen Gepäck und gestatten sie ausschließlich im Handgepäck, wo sie zudem während des Fluges nicht zum Aufladen anderer Geräte verwendet werden dürfen.
Die erschreckende Häufigkeit von Batterie-Zwischenfällen
Der Vorfall auf dem EasyJet-Flug EZY2618 ist kein Einzelfall. Nach Angaben der britischen Luftfahrtbehörde kommt es weltweit inzwischen etwa zweimal pro Woche zu Zwischenfällen mit Lithium-Batterien an Bord von Flugzeugen. Diese Zahl verdeutlicht, dass die Bedrohung durch unsachgemäß transportierte Akkus kein theoretisches Konstrukt, sondern ein reales und häufiges Problem ist. Bei den meisten dieser Vorfälle handelt es sich um überhitzte oder rauchende Geräte, die von der Crew noch rechtzeitig gesichert werden können. In seltenen Fällen kommt es jedoch zu offenen Bränden oder zu Situationen, in denen Piloten wie im aktuellen Fall zu drastischen Maßnahmen greifen müssen. Jedes dieser Ereignisse bindet Ressourcen, verursacht Verspätungen und setzt Passagiere und Besatzung einem vermeidbaren Risiko aus. Die Dunkelziffer dürfte zudem höher liegen, da kleinere Überhitzungen oder Rauchentwicklungen, die von der Crew unbemerkt bleiben, nicht in die Statistiken einfließen. Die International Air Transport Association (IATA) und die europäische Luftsicherheitsagentur EASA arbeiten kontinuierlich daran, das Bewusstsein für die Risiken zu schärfen und die Gepäckkontrollen zu verbessern. Dennoch zeigt der aktuelle Fall, dass trotz aller Kontrollmechanismen immer wieder gefährliche Gegenstände ihren Weg in den Frachtraum finden.
Wie die Crew eine Powerbank im Frachtraum ortet – und warum die Kommunikation mit dem Cockpit entscheidend ist
Die Crew kann eine Powerbank im Frachtraum nicht direkt orten. Es gibt keine technischen Sensoren, die den exakten Standort eines überhitzenden Akkus im Unterdeck anzeigen. Stattdessen stützen sich Piloten und Kabinenpersonal auf das situative Wissen und die Meldungen der Passagiere. Im vorliegenden Fall war es die Passagierin selbst, die ihren Fehler bemerkte und die Crew informierte. Ohne diesen Hinweis wäre der Flug vermutlich ohne Umleitung nach London fortgesetzt worden – mit einer tickenden Zeitbombe im Frachtraum, von der niemand wusste. Die schnelle Meldung der Passagierin und die sofortige Informationsweitergabe an das Cockpit waren daher entscheidend für das weitere Vorgehen. Ein Pilot kann nur dann eine fundierte Risikoabwägung treffen, wenn er alle verfügbaren Informationen erhält. Im Ernstfall ist die offene Kommunikation zwischen Kabine und Cockpit eine der wichtigsten Sicherheitsbarrieren. Hätte die Frau aus Angst vor Konsequenzen geschwiegen, wäre die Situation möglicherweise erst dann eskaliert, wenn eine Intervention zu spät gekommen wäre. Die Crew lobte dem Vernehmen nach die Ehrlichkeit der Passagierin, auch wenn der Vorfall für alle Beteiligten unangenehme Folgen hatte.
Warum EasyJet die Umleitung nach Rom wählte – logistische und sicherheitstechnische Überlegungen
Die Entscheidung, nach Rom-Fiumicino umzuleiten, folgte einer klaren sicherheitstechnischen und logistischen Abwägung. Der Kapitän befand sich über der Adria, als er von der Powerbank im Frachtraum erfuhr. Ein reiner Sicherheitslandeanflug auf einen noch näher gelegenen Flughafen, etwa in Kroatien oder Slowenien, hätte möglicherweise zusätzliche Risiken mit sich gebracht – fremde Verfahren, unbekannte Bahnlängen oder sprachliche Barrieren. Rom-Fiumicino hingegen ist ein internationaler Großflughafen mit umfassender Notfallinfrastruktur, Feuerwehr, medizinischer Versorgung und der Kapazität, ein Flugzeug vom Typ A320 ohne operative Einschränkungen aufzunehmen. Zudem unterhält EasyJet am Standort Rom eigene Stationierungsressourcen und kann im Notfall schneller auf Crew-Wechsel, Ersatzteile oder Passagierbetreuung zurückgreifen. Die Wahl des Ausweichflughafens erfolgte nicht willkürlich, sondern gemäß den standardisierten ETOPS- und Notfallverfahren, die für solche Situationen detaillierte Protokolle vorsehen. Ein wichtiger Faktor war auch die verbleibende Flugzeit: Rom ließ sich mit dem vorhandenen Treibstoff problemlos erreichen, ohne dass eine Treibstoffnotlage provoziert wurde. Für den Kapitän stand die schnellstmögliche und sicherste Behebung der Gefahrensituation im Vordergrund – dass dabei auch die Airline-interne Logistik profitierte, war ein willkommener Nebeneffekt, aber nicht die primäre Motivation.
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Die rechtlichen und finanziellen Folgen für die Passagierin: Welche Konsequenzen drohen bei Verstößen gegen Gepäckregeln?
Verstöße gegen die Gefahrgutvorschriften im Luftverkehr können empfindliche Strafen nach sich ziehen. Die Mitnahme von Lithium-Ionen-Akkus im aufgegebenen Gepäck stellt einen Verstoß gegen die Beförderungsbedingungen dar, den die Airline sanktionieren kann. EasyJet hat sich im vorliegenden Fall nicht öffentlich zu möglichen Konsequenzen für die Passagierin geäußert. In der Praxis reichen die Reaktionen der Airlines von einer mündlichen Verwarnung über die Eintragung in eine interne Sperrliste bis hin zur Anzeige bei den Luftfahrtbehörden, die ihrerseits Bußgelder verhängen können. Besonders kritisch wird es, wenn dem Passagier Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen werden kann. Die ehrliche Meldung der Passagierin während des Fluges wird sich in diesem Fall strafmildernd auswirken – ohne ihre Aussage wäre der Vorfall womöglich unentdeckt geblieben. Ein weiterer Aspekt sind die finanziellen Folgen für die Passagierin. Theoretisch könnte die Airline versuchen, die Kosten der Umleitung, der Hotelunterbringung anderer Passagiere und der logistischen Zusatzaufwendungen auf dem Zivilrechtsweg geltend zu machen. In der Luftfahrtbranche wird dies jedoch selten praktiziert, da der bürokratische Aufwand hoch ist und der Imageschaden für die Airline den möglichen finanziellen Ausgleich überwiegen würde. Nichtsdestotrotz zeigt der Vorfall, dass aus einer scheinbar harmlosen Vergesslichkeit schnell ein rechtlicher und finanzieller Albtraum werden kann.
So verhalten Sie sich richtig: Powerbank immer ins Handgepäck
Der sicherste Ort für Powerbanks und andere Geräte mit Lithium-Ionen-Akkus ist das Handgepäck. Dort können Sie und die Crew im Fall einer Überhitzung sofort reagieren. Bei fast allen europäischen und internationalen Fluggesellschaften sind Powerbanks im aufgegebenen Koffer strikt verboten. Die Regeln der IATA, die von den meisten Airlines übernommen werden, sehen vor, dass mobile Ladegeräte ausschließlich in der Kabine transportiert werden dürfen. achten Sie darauf, dass die Geräte vor unbeabsichtigter Aktivierung geschützt sind – lose herumfliegende Kabel können einen Kurzschluss verursachen. Viele Vielflieger haben sich angewöhnt, sämtliche elektronischen Geräte in einem separaten Kulturbeutel oder einer durchsichtigen Tasche im Handgepäck zu verstauen. So sind sie bei der Sicherheitskontrolle schnell griffbereit und die Gefahr des versehentlichen Eincheckens im Koffer wird minimiert. Grundsätzlich gilt: Packen Sie Ihre Koffer bewusst und kontrollieren Sie vor dem Schließen jedes Fach. Ein kurzer prüfender Blick kann eine Notlandung verhindern.
Checkliste beim Packen: So vermeiden Sie gefährliches Gepäck
- Alle Akku-Geräte separieren: Sammeln Sie Powerbanks, Laptops, Tablets, E-Zigaretten und Ersatzakkus vor dem Packen auf einem Haufen und platzieren Sie sie ausschließlich im Handgepäck.
- Kabel entfernen: Angeschlossene Ladekabel erhöhen das Kurzschlussrisiko. Trennen Sie vor dem Flug alle Verbindungen.
- Letzter Rundumblick: Bevor Sie den Koffer schließen, durchsuchen Sie jede Tasche und jedes Fach gezielt nach vergessenen Geräten.
- Leistungsgrenzen beachten: Informieren Sie sich vor dem Flug über die erlaubte Wattstundenzahl (Wh) Ihrer Powerbanks. Geräte über 100 Wh sind in der Regel genehmigungspflichtig.
- Beschädigte Geräte aussortieren: Aufgeblähte, verformte oder bereits einmal überhitzte Akkus haben in keinem Gepäckstück etwas zu suchen – weder im Koffer noch im Handgepäck.
Häufig gestellte Fragen
Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich versehentlich eine Powerbank im Aufgabegepäck vergessen habe?
Sobald Sie den Fehler bemerken, informieren Sie unverzüglich das Kabinenpersonal oder, falls noch am Boden, einen Mitarbeiter am Gate. Verschweigen Sie den Vorfall nicht aus Angst vor Konsequenzen – die Sicherheit aller Passagiere hat oberste Priorität. Die Crew wird dann den Piloten verständigen, der gemäß den Sicherheitsvorschriften die nächsten Schritte einleitet. Je früher die Meldung erfolgt, desto mehr Handlungsoptionen bleiben der Cockpit-Besatzung.
Was unterscheidet den Transport von Powerbanks im Handgepäck vom Aufgabegepäck?
Im Handgepäck kann die Kabinenbesatzung eine überhitzende oder rauchende Powerbank sofort erkennen und mit speziellen Löschbehältern oder Kühlmaßnahmen eindämmen. Im Frachtraum hingegen gibt es keine unmittelbare menschliche Überwachung. Ein Brand würde sich dort unbemerkt ausbreiten können und das automatische Feuerlöschsystem ist für Lithium-Akkubrände nur bedingt wirksam. Aus diesem Grund verbieten nahezu alle Fluggesellschaften weltweit den Transport von Powerbanks im aufgegebenen Koffer.
Ist eine Notlandung wegen einer Powerbank nicht übertrieben, oder hätte der Flug einfach weitergehen können?
Aus Sicherheitssicht ist die Entscheidung zur Umleitung keinesfalls übertrieben. Lithium-Ionen-Akkus können unvermittelt in Brand geraten und Temperaturen von mehreren hundert Grad Celsius erreichen. Im Frachtraum eines Flugzeugs, umgeben von Gepäckstücken aus brennbaren Materialien, kann dies binnen Minuten zur Katastrophe führen. Ein Pilot muss im Zweifelsfall immer das sicherste Szenario wählen. Eine vorsorgliche Landung ist daher eine absolut angemessene Reaktion auf eine potenziell lebensbedrohliche Gefahr.




