Datenbank schützt Rotmilane: 7 geniale Strategien gegen Windräder

Der Rotmilan stirbt an Windrädern – doch eine Datenbank mit Milliarden Bewegungsdaten soll ihn retten

Der Rotmilan, ein Greifvogel mit charakteristisch gegabeltem Schwanz, ist in Deutschland eine Art von besonderer nationaler Verantwortung. Mehr als die Hälfte des Weltbestands brütet hierzulande, ein wesentlicher Teil davon in Hessen. Doch der Ausbau der Windenergie führt weiter zu Konflikten mit dem Artenschutz. Intensive Landwirtschaft, ungesicherte Strommasten und vor allem Windkraftanlagen gefährden den Bestand. Wie eine Datenbank namens MoveBank helfen kann, den Rotmilan Schutz vor Windrädern zu verbessern, zeigt ein Forschungsprojekt in Hessen.

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Der Rotmilan fliegt bei der Beutesuche niedrig und schaut dabei stets auf den Boden. Diese Jagdweise macht ihn besonders anfällig für Kollisionen mit Windrädern – er bemerkt die Rotorblätter nicht rechtzeitig. Forscher haben deshalb GPS-Sender an jungen Milanen befestigt und sammeln präzise Bewegungsdaten. Diese werden in MoveBank gespeichert, der weltweit größten Datenbank für Tierbewegungen mit über zehn Milliarden Ortungspunkten von rund 1.600 Arten. Welche konkreten Strategien daraus abgeleitet werden, um Rotmilan und Windkraft besser zu vereinbaren, lesen Sie in diesem Artikel.

Warum der Rotmilan besonders gefährdet ist

Der Rotmilan (Milvus milvus) ist etwa bussardgroß und an seinem gegabelten Schwanz leicht zu erkennen. In Deutschland gilt er als Art von besonderer nationaler Verantwortung, weil sich mehr als die Hälfte des Weltbestands auf Mitteleuropa konzentriert. Zwar gelten die Bestände vergleichsweise stabil, doch die Art ist verletzlich – genau wegen dieser Konzentration. Gefahren drohen durch intensive Landwirtschaft, die Lebensräume verändert, ungesicherte Strommasten und Windkraftanlagen.

Die Kollision mit einem Rotorblatt endet für einen Rotmilan meist tödlich. Der Vogel fliegt beim Beutesuchen niedrig und schaut auf den Boden. Das macht ihn anfällig als Schlagopfer: Er merkt nicht, wenn er sich im Suchflug einem Windrad nähert. Diese besondere Flugweise unterscheidet ihn von anderen Greifvögeln, die höher kreisen und Windräder eher umfliegen. Der Rotmilan Schutz vor Windrädern erfordert daher spezifische Maßnahmen.

Wie die GPS-Datenbank MoveBank funktioniert

Um Konflikte besser vorherzusagen, setzen Forschende auf kleine GPS-Sender. Diese werden wie Mini-Rucksäcke bereits an jungen Rotmilanen befestigt. Die Sender zeichnen auf, wo sich Tiere aufhalten, wie sie sich bewegen und im besten Fall, wie sie sich verhalten. Gespeichert werden diese Daten in MoveBank – der weltweit größten Datenbank für Tierbewegungen mit über zehn Milliarden Ortungspunkten von rund 1.600 Arten.

MoveBank fungiert als ein digitales Gedächtnis der Tierwelt. Forschende nutzen die Daten nicht nur für den Rotmilan, sondern auch, um Tierwanderungen zu untersuchen, Nashörner vor Wilderei zu schützen oder die Ausbreitung von Krankheiten wie der Vogelgrippe zu verfolgen. Die Datenbank wurde 2007 von der Max-Planck-Gesellschaft angestoßen. Künftig soll sie stärker am Frankfurter Senckenberg-Institut verankert werden, das solche Infrastrukturen als digitale Biodiversitätssammlung vorhält.

Die Rolle Hessens als Forschungsstandort

Hessen hat sich zu einem wichtigen Standort für die Rotmilan-Forschung entwickelt. An der Staatlichen Vogelschutzwarte in Gießen und am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt laufen Studien zusammen. Eine landesweite Studie hat zwölf Tiere mit GPS-Sendern ausgestattet. Dabei kamen mehr als 5,3 Millionen Ortungspunkte zusammen. Diese Daten liefern ein detailliertes Bild der Flugrouten, Jagdgebiete und Ruheplätze der Tiere.

Die hessische Studie zeigt, wie wertvoll solche Bewegungsdaten für den Rotmilan Schutz vor Windrädern sind. Die gewonnenen Erkenntnisse erlauben es, Schutzradien präziser zu definieren oder zeitweise Abschaltungen von Windkraftanlagen zu veranlassen. Ohne diese Daten müssten Planer auf grobe Schätzungen zurückgreifen. MoveBank liefert hingegen die faktische Grundlage für bessere Entscheidungen.

7 geniale Strategien, wie die Datenbank Rotmilane schützt

Aus den Milliarden Ortungspunkten in MoveBank lassen sich konkrete Maßnahmen ableiten. Diese sieben Strategien zeigen, wie die Datenbank den Rotmilan Schutz vor Windrädern revolutioniert.

1. Präzise Schutzradien auf Basis realer Flugdaten

Bisher wurden Schutzradien um Windkraftanlagen oft pauschal festgelegt – meist 1.000 Meter um bekannte Brutplätze. Die Bewegungsdaten aus MoveBank ermöglichen nun eine deutlich genauere Festlegung. Statt eines starren Radius kann man die tatsächlichen Flugrouten und Jagdgebiete der besenderten Milane analysieren. Zeigen die Daten, dass ein bestimmtes Gebiet selten oder nur in geringer Höhe überflogen wird, kann der Schutzradius dort kleiner ausfallen. Umgekehrt werden stark frequentierte Korridore entsprechend weiträumiger geschützt. Diese datenbasierte Anpassung reduziert sowohl Konflikte als auch unnötige Einschränkungen für Windparkbetreiber.

2. Zeitweise Abschaltungen bei erhöhter Aktivität

Die GPS-Sender verraten nicht nur, wo, sondern auch wann sich Rotmilane bewegen. In der hessischen Studie mit über 5,3 Millionen Ortungspunkten zeigten sich deutliche Aktivitätsspitzen zu bestimmten Tageszeiten und Jahreszeiten. Bei der Beutesuche fliegen Milane morgens und am späten Nachmittag besonders niedrig. An kühlen, windstillen Tagen sind sie aktiver als bei starkem Wind. Betreiber könnten Windräder genau in diesen Zeitfenstern kurzzeitig abschalten, wenn ein Milan in der Nähe ist. Die Datenbank liefert die Grundlage für solche bedarfsgerechten Abschaltmodelle, die den Betrieb effizienter machen, ohne den Schutz zu vernachlässigen.

3. Optimierte Standortplanung neuer Windkraftanlagen

Bei der Genehmigung neuer Windräder müssen Betreiber nachweisen, dass die Anlagen keine geschützten Arten gefährden. MoveBank bietet Planern und Genehmigungsbehörden eine verlässliche Datenbasis. Statt aufwändiger und teurer Vor-Ort-Zählungen über mehrere Jahre können sie auf die Bewegungsdaten zurückgreifen. Karten mit den Aufenthaltswahrscheinlichkeiten von Rotmilanen zeigen, welche Flächen für Windenergie geeignet sind und welche tabu bleiben sollten. Die Daten ermöglichen eine vorausschauende Raumplanung, die Konflikte gar nicht erst entstehen lässt.

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4. Identifikation von Gefahrenschwerpunkten durch Cluster-Analyse

MoveBank erlaubt es, räumliche Häufungen von Bewegungsdaten zu identifizieren. Zeigen die Ortungspunkte, dass ein bestimmtes Gebiet regelmäßig von vielen Milanen überflogen wird, handelt es sich um einen Gefahrenschwerpunkt. Solche Cluster können mit bestehenden oder geplanten Windrädern abgeglichen werden. Die Datenbank macht sichtbar, wo die größten Risiken lauern – und wo Schutzmaßnahmen priorisiert werden müssen. Landwirte und Windparkbetreiber können so gezielt Maßnahmen ergreifen, etwa durch angepasste Bewirtschaftung oder veränderte Abschaltzeiten.

5. Unterstützung von Landwirten bei der Gefahrenminderung

Landwirte beobachten oft regelmäßig Rotmilane auf ihren Feldern. Die Bewegungsdaten aus MoveBank können ihnen helfen, die Bewirtschaftung anzupassen. Mähzeitpunkte lassen sich so legen, dass sie nicht mit Hauptjagdzeiten der Milane kollidieren. Ackerflächen, die als wichtige Nahrungsgebiete identifiziert wurden, könnten extensiver bewirtschaftet werden. Die Datenbank liefert dafür die räumliche und zeitliche Grundlage. Landwirte können ihre Maßnahmen zielgerichteter planen und so einen aktiven Beitrag zum Rotmilan Schutz vor Windrädern leisten, ohne wirtschaftliche Einbußen hinnehmen zu müssen.

6. Verbesserte Genehmigungsverfahren für Windparkbetreiber

Betreiber von Windparks müssen bei der Genehmigung nachweisen, dass von ihren Anlagen keine unzumutbaren Risiken für geschützte Arten ausgehen. Die Daten aus MoveBank machen diesen Nachweis einfacher und belastbarer. Statt vager Prognosen können sie auf konkrete Bewegungsdaten verweisen. Zeigen die Daten, dass in dem betreffenden Gebiet nur selten oder außerhalb kritischer Flughöhen Rotmilane unterwegs sind, spricht das für eine Genehmigung. Umgekehrt erkennen Betreiber frühzeitig, ob ein Standort problematisch ist. Die Datenbank entlastet so Behörden und beschleunigt Genehmigungsverfahren, ohne den Artenschutz zu schwächen.

7. Langzeitmonitoring und Bestandsentwicklung

MoveBank ist nicht nur eine Momentaufnahme, sondern ein dynamisches Archiv. Neue Daten von weiteren besenderten Tieren fließen stetig ein. So lässt sich die Entwicklung der Rotmilan-Populationen über Jahre hinweg verfolgen. Ändern sich Flugrouten als Reaktion auf neue Windräder? Wandern die Tiere in andere Gebiete ab? Die Datenbank erlaubt ein Langzeitmonitoring, das Trends sichtbar macht. Wissenschaftler können so frühzeitig Warnsignale erkennen und Schutzmaßnahmen anpassen. Der Rotmilan Schutz vor Windrädern bleibt damit nicht statisch, sondern wird kontinuierlich verbessert.

Grenzen der Daten: Warum auch die beste Datenbank nicht alle Kollisionen verhindern kann

Trotz aller Fortschritte: Selbst eine Milliarden Datenpunkte umfassende Datenbank wie MoveBank kann nicht alle Kollisionen verhindern. Der Rotmilan fliegt bei der Beutesuche niedrig und schaut auf den Boden – er bemerkt Windräder im entscheidenden Moment nicht. Die GPS-Daten zeigen zwar Aufenthaltsorte, aber nicht jede Sekunde des Fluges. Die Sender können durch Wetterbedingungen oder dichte Vegetation gestört werden. Zudem ist die Stichprobe mit zwölf besenderten Tieren in der hessischen Studie noch begrenzt, um repräsentative Aussagen für den gesamten Bestand zu treffen.

Ein weiteres Problem ist die zeitliche Verzögerung der Datenübertragung. Die Daten werden nicht in Echtzeit gesendet, sondern gespeichert und später abgerufen. Im Moment des Fluges kann eine Abschaltung des Windrads also nicht auf den aktuellen Standort reagieren. Die Datenbank liefert vielmehr Wahrscheinlichkeiten und Muster. Sie zeigt, wo und wann ein erhöhtes Risiko besteht – aber sie kann nicht jede einzelne Begegnung verhindern. Die beste Datenbank bleibt ein Instrument, kein Allheilmittel.

Wie die Erkenntnisse aus der Rotmilan-Forschung auch anderen Arten helfen

MoveBank enthält Daten von rund 1.600 Arten – nicht nur Rotmilanen. Die Methoden, die für den Rotmilan entwickelt wurden, lassen sich auf andere gefährdete Arten übertragen. Fledermäuse etwa kollidieren ebenfalls häufig mit Windrädern. Ihre Flugrouten und Jagdzeiten könnten mit ähnlichen GPS-Loggern erfasst werden. Auch für den Schreiadler oder den Schwarzstorch, die ebenfalls unter Windkraftkonflikten leiden, zeigen die Rotmilan-Erkenntnisse den Weg. Die Kombination von GPS-Telemetrie, Big-Data-Analyse und Artenschutzrecht könnte Europa weit zum neuen Standard werden. Hessen ist dabei mit seiner landesweiten Studie ein Vorreiter – und MoveBank die entscheidende Plattform, um diesen Wissenstransfer zu ermöglichen.

Für den dauerhaften Betrieb von MoveBank werden noch zusätzliche Finanzmittel benötigt. Das Senckenberg-Institut in Frankfurt will die Datenbank als digitale Biodiversitätssammlung fest verankern. Gerade die hessische Forschung hat gezeigt, wie wertvoll solche Daten für den praktischen Artenschutz sind. Der Rotmilan profitiert davon – und mit ihm viele andere Arten, deren Überleben an der Schnittstelle von Energiegewinnung und Naturschutz hängt. Die Flugdaten der besenderten Milane werden noch Jahrzehnte lang genutzt werden können, um Konflikte zu entschärfen. Das ist der wahre Wert von MoveBank: nicht nur eine Momentaufnahme, sondern ein dauerhaftes Gedächtnis der Natur, das uns lehrt, wie wir mit ihr leben können, ohne sie zu zerstören.

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