Regionalliga-Reform: Der DFB legt einen Fahrplan vor
Die Regionalliga-Reform rückt näher: Der DFB hat erstmals einen klaren Fahrplan für die Entscheidung vorgelegt. Lange Zeit war unklar, wie die vierte Spielklasse zukünftig strukturiert werden soll und ob alle Meister tatsächlich direkt aufsteigen können. Nun zeichnet sich eine konkrete Lösung ab. Der größte Sportfachverband der Welt erkennt den grundsätzlichen Bedarf nach einer Reform der Aufstiegsregelung auf der 4. Spielklassenebene an. Die bisherige Regelung, bei der nur die Meister aus den Regionalligen Südwest und West immer direkt aufsteigen dürfen, während die Staffelsieger aus Bayern, dem Norden und Osten nur alle drei Jahre direkt hochkönnen und ansonsten in die Relegation müssen, gilt als reformbedürftig.

Der neue Fahrplan: Wann fällt die Entscheidung zur Regionalliga-Reform?
Der DFB hat erstmals einen konkreten Zeitplan genannt. Die Träger der fünf Regionalligen haben sich für die erste Juniwoche zu einer Konferenz verabredet. In diesem Rahmen sollen die wesentlichen Parameter der Modelle festgelegt werden. Dazu zählen die Trägerschaft, die Zulassungsvoraussetzungen, die Staffelstärke und die Verteilung der Startplätze. Nach der Ausarbeitung der Kompasslösung sollen die Klubs aus allen Regionalligen ihre Meinung per Abstimmung abgeben. Dieser Termin wurde auf frühestens Ende Juni verschoben. Die Qualifikationssaison für das neue System wäre demnach die Spielzeit 2027/28, die erste Saison im neuen Konzept würde 2028/29 starten.
Warum der Zeitplan so bedeutsam ist
Bislang war die Reform immer wieder verschoben worden. Die nun festgelegten Deadlines schaffen Verbindlichkeit. Sollte der Zeitplan eingehalten werden, hätten die Vereine knapp drei Jahre Zeit, sich auf die neue Struktur vorzubereiten. Dies ist besonders für die Planung von Kader, Etat und Infrastruktur relevant. Der DFB betont, dass er bis zur Konferenz der Träger in der Angelegenheit nicht weisungsbefugt sei. Die Zuständigkeit für den weiteren Prozess liege bei den Regionalliga-Trägern. Sobald diese jedoch eine Entscheidung getroffen haben, wird der DFB aktiv.
Das Kompassmodell: Ein fairer Kompromiss für alle fünf Regionalligen
DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFL-Chef Hans-Joachim Watzke plädieren für das viergleisige Kompassmodell. Dieses Modell gilt als fairer Kompromiss aller fünf Regionalligen. Im Kompassmodell stehen jeder der fünf Regionen bei 2x20er Staffeln zwölf Startplätze zu. Mit vier Drittliga-Absteigern und 16 Aufsteigern aus den Oberligen kommt man auf 80 Teams. Diese werden nach den kürzesten Fahrstrecken unter Beibehaltung von Derbys und traditionellen Lokalduellen in vier Ligen eingeteilt. Die zentralen Vorteile sind:
- Alle Meister steigen künftig direkt auf – kein Dreijahresrhythmus mehr
- Traditionelle Derbys und Lokalduelle bleiben erhalten
- Die Fahrstrecken werden durch die geografische Einteilung minimiert
- Jede Region erhält eine faire Anzahl an Startplätzen
Insbesondere für Vereine aus Bayern, dem Norden und Osten wäre das Kompassmodell eine deutliche Verbesserung. Bisher durften die Meister dieser Regionen nur alle drei Jahre direkt aufsteigen, was zu Ungerechtigkeiten führte. Mit der neuen Regelung hätten sie jährlich die Chance auf den Aufstieg in die 3. Liga.
Wer entscheidet? DFB-Vorstand oder DFB-Bundestag?
Eine der überraschendsten Details aus dem Klartext betrifft die Entscheidungsgremien. Der DFB bezieht sich auf die Paragraphen 37 und 55b der DFB-Spielordnung, in denen die Rahmenbedingungen der 4. Liga sowie der Aufstieg in die 3. Liga geregelt sind. Der DFB schreibt: „Die entsprechenden Bestimmungen müssten bei einer Strukturreform angepasst werden. Diese Beschlüsse müssten über den DFB-Vorstand oder DFB-Bundestag erfolgen.“ Der DFB-Vorstand besteht aus 52 Personen, darunter den Mitgliedern des DFB-Präsidiums, den Präsidenten der Landes- und Regionalverbände, der DFL und zehn weiteren Mitgliedern aus verschiedenen Ausschüssen.
Warum eine Entscheidung durch den DFB-Vorstand einfacher wäre
Es gilt als deutlich einfacher sowie von Aufwand und Kosten überschaubarer, die Regionalliga-Reform über den DFB-Vorstand zu beschließen. Der DFB-Bundestag ist ein deutlich größeres Gremium mit mehr als 200 Delegierten, das nur alle zwei bis drei Jahre tagt. Eine Entscheidung im Vorstand könnte schneller und unbürokratischer erfolgen. Der Nordosten würde wohl den Antrag beim DFB-Vorstand stellen, das Kompassmodell einzuführen. DFB-Vize Hermann Winkler kündigte an, sich nach der Abstimmung mit den NOFV-Gremien dafür einzusetzen, dass es zeitnah zu den entsprechenden Beschlüssen im DFB und zur Umsetzung kommt.
Die Rolle von DFB-Präsident Neuendorf und DFL-Chef Watzke
Beide Spitzenfunktionäre haben sich klar positioniert. DFB-Präsident Bernd Neuendorf betonte: „Jeder Einzelne sieht den Reformbedarf bei der Regionalliga. Ja, Meister müssen aufsteigen!“ Dieses klare Bekenntnis ist bemerkenswert, da es signalisiert, dass der DFB die Ungleichbehandlung der Meister aus verschiedenen Regionen nicht länger hinnehmen will. Hans-Joachim Watzke, der als DFL-Chef und Mitglied des DFB-Präsidiums doppeltes Gewicht hat, unterstützt das Kompassmodell. Ihre gemeinsame Positionierung erhöht den Druck auf die Regionalverbände, sich auf eine Lösung zu einigen. Die Tatsache, dass beide führenden Köpfe des deutschen Fußballs hinter der Reform stehen, macht eine Umsetzung wahrscheinlicher.
Was die Regionalliga-Reform für Vereine und Fans bedeutet
Die konkreten Auswirkungen lassen sich an verschiedenen Szenarien verdeutlichen. Ein Meister der Regionalliga Bayern erlebt, wie die Reform seine Aufstiegschancen von einem Dreijahresrhythmus zu einer jährlichen Möglichkeit verändert. Statt nur alle drei Jahre direkt aufsteigen zu können, hätte er nun jedes Jahr die Chance. Ein Fan eines Traditionsvereins in der Regionalliga Nordost macht sich Sorgen um den Erhalt der Derbys – doch das Kompassmodell verspricht Kontinuität. Rassige Derbys wie zwischen Lok Leipzig und Halle bleiben garantiert. Ein Spieler in der Regionalliga West überlegt, wie die Neustrukturierung den Wettbewerb und die Entwicklungsperspektiven beeinflusst. Mehr direkte Aufstiege bedeuten mehr Spannung und höhere sportliche Anreize. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zwischen alter und neuer Regelung zusammen:
| Aspekt | Aktuelle Regelung | Kompassmodell (geplant) |
|---|---|---|
| Direkte Aufstiege pro Saison | 2 (Südwest und West) | 4 (alle Regionen) |
| Bayern, Norden, Osten | Nur alle 3 Jahre direkt | Jährlich direkt möglich |
| Relegationsteilnehmer | 3 Meister | Entfällt |
| Staffelanzahl | 5 Regionalligen | 4 Ligen (Kompassmodell) |
| Startplätze pro Region | Unterschiedlich | 12 pro Region |
| Einführung | – | Saison 2028/29 |
Die rechtlichen Grundlagen: Paragraphen 37 und 55b der DFB-Spielordnung
Wer die Regionalliga-Reform verstehen will, muss einen Blick in die DFB-Spielordnung werfen. Paragraph 37 regelt die Rahmenbedingungen der 4. Liga, Paragraph 55b den Aufstieg in die 3. Liga. Der DFB stellt klar: „Die entsprechenden Bestimmungen müssten bei einer Strukturreform angepasst werden.“ Konkret geht es um die Anzahl der Aufsteiger, die Modalitäten der Relegation und die Zusammensetzung der Staffeln. Eine Anpassung dieser Paragraphen ist rechtlich notwendig, um das Kompassmodell umzusetzen. Die Frage ist nur, ob dies durch den DFB-Vorstand oder den DFB-Bundestag erfolgt. Beide Gremien sind nach der Satzung befugt, die Spielordnung zu ändern. Die Entscheidung über den Weg hängt davon ab, wie schnell die Reform kommen soll. Eine Vorstandsentscheidung wäre effizienter, eine Bundestagsentscheidung würde breitere Legitimation bieten.
Die Regionalliga-Träger: Die eigentlichen Entscheider im Prozess
Bevor der DFB aktiv werden kann, müssen die Träger der fünf Regionalligen eine Einigung erzielen. Diese sind der Norddeutsche Fußballverband (NFV), der Westdeutsche Fußballverband (WDFV), der Südwestdeutsche Fußballverband (SWFV), der Bayerische Fußballverband (BFV) und der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV). Sie haben sich für die erste Juniwoche zu einer Konferenz verabredet. Aus einem Schreiben von Nordverbandschef Ralph-Uwe Schaffert an die Nord-Regionalligisten geht hervor, dass die wesentlichen Parameter festgelegt werden sollen. DFB-Vize Hermann Winkler erklärte: „Wir wollen nun zügig und bestmöglich alle offenen Fragen zum Kompassmodell klären.“ Sobald die Träger eine Einigung erzielt haben, werden die Klubs aus allen Regionalligen ihre Meinung per Abstimmung abgeben. Dieser Prozess ist für Ende Juni vorgesehen. Der Nordosten würde dann voraussichtlich den Antrag beim DFB-Vorstand stellen, das Kompassmodell einzuführen. Damit ist klar: Die Initiative liegt bei den Regionen, der DFB reagiert auf ihre Vorschläge.
Die sieben überraschenden Details aus dem Klartext
Abschließend seien die sieben Details zusammengefasst, die aus dem aktuellen Klartext des DFB besonders hervorstechen:
- Klare Zeitplanung: Die Konferenz der Träger ist für Anfang Juni terminiert, die Abstimmung der Klubs für Ende Juni.
- Bezug auf Paragraphen 37 und 55b: Der DFB hat erstmals die rechtlichen Grundlagen benannt, die geändert werden müssen.
- Zwei Entscheidungswege: Die Reform kann entweder über den DFB-Vorstand (52 Personen) oder den DFB-Bundestag (über 200 Delegierte) beschlossen werden.
- Der Nordosten als Antragsteller: Der NOFV wird voraussichtlich den Antrag auf Einführung des Kompassmodells stellen.
- 80 Teams im Kompassmodell: Vier Ligen mit je 20 Teams, bestehend aus 60 Regionalligisten, 4 Drittliga-Absteigern und 16 Aufsteigern aus den Oberligen.
- Faire Verteilung der Startplätze: Jede der fünf Regionen erhält zwölf Startplätze bei 2x20er Staffeln.
- Erhalt von Derbys: Das Kompassmodell stellt sicher, dass traditionelle Lokalduelle und Derbys nicht zerrissen werden.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Regionalliga-Reform tatsächlich kommt, ist so hoch wie nie zuvor. Der DFB hat einen klaren Fahrplan vorgelegt, die Spitzenfunktionäre stehen dahinter, und die Regionalverbände arbeiten an einer Lösung. Die einzige verbleibende Ungewissheit ist, ob die Entscheidung noch 2025 im DFB-Vorstand fällt oder ob der Bundestag einberufen werden muss. In jedem Fall deutet alles darauf hin, dass die Saison 2028/29 die erste Spielzeit unter dem neuen Kompassmodell sein wird – und dass dann alle Meister der vierten Liga endlich direkt aufsteigen.




