„Nee, möchte ich nicht“ – Die erschreckende Gleichgültigkeit einer Großmutter vor Gericht
Eine Großmutter will nicht wissen, was mit ihrem verbrannten Enkel passiert ist – und spricht vor Gericht nur Sätze wie „Nee, möchte ich nicht“. Der fünfte Prozesstag im Mordprozess Fabian am Landgericht Rostock offenbarte eine Szenerie, die selbst erfahrene Prozessbeobachter verstörte. Monika R., die 61-jährige Großmutter des getöteten Jungen, betrat den Saal in einem schwarzen T-Shirt mit dem Aufdruck „Don’t worry, beer happy“. Ihre Aussageverweigerung warf nicht nur juristische Fragen auf, sondern ließ auch tief in die zerrütteten Familienverhältnisse blicken. Der Vorsitzende Richter Holger Schütt versuchte mehrfach, mit der Frau ins Gespräch zu kommen – doch ihre Antworten blieb sie schuldig.

Im Mittelpunkt stand die Frage, ob die Großmutter überhaupt Interesse an der Aufklärung des Todes ihres Enkels habe. Auf die direkte Frage des Richters, ob sie wissen wolle, was mit Fabian passiert sei, antwortete Monika R. knapp: „Nee, möchte ich nicht.“ Diese Verweigerungshaltung zog sich wie ein roter Faden durch ihre gesamte Befragung. Der mordprozess fabian oma wurde damit zum Sinnbild einer familiären Sprachlosigkeit, die das Gericht vor besondere Herausforderungen stellte.
Der innere Widerspruch: „Ja, ich habe ihn geliebt“ – aber Wissen will ich nicht
Richter Schütt versuchte, eine emotionale Brücke zu der Zeugin zu bauen. Er fragte Monika R., ob sie ihren Enkelsohn geliebt habe. Ihre Antwort: ein leises „Ja“. Doch auf die erneute Frage, ob sie erfahren wolle, was mit Fabian geschehen sei, wiederholte sie: „Nee, möchte ich nicht.“ Dieser Widerspruch zwischen bekundeter Zuneigung und verweigerter Wahrheitssuche lässt Raum für Spekulationen. Handelt es sich um eine Schutzreaktion, um einer unerträglichen Wahrheit aus dem Weg zu gehen? Oder ist es schlicht Gleichgültigkeit? Die Großmutter schwieg minutenlang, als der Staatsanwalt sie nach dem Warum fragte. Ihr einziger wiederkehrender Satz lautete: „Wenn ich nichts sagen kann, kann ich auch nichts sagen.“
Die Macht des Schweigens: Wie Wortkargheit den Prozess beeinflusst
Monika R. wiederholte mehrfach den Satz: „Wenn ich nichts sagen kann, kann ich auch nichts sagen.“ Diese mantraartige Verweigerung stellte das Gericht vor ein Dilemma. Zeugen sind grundsätzlich zur Aussage verpflichtet, doch die Praxis zeigt: Wenn ein Zeuge sich beharrlich weigert, ist das nur schwer zu erzwingen. Der Richter redete der Frau ins Gewissen: „Vielleicht wollen Sie einfach uns helfen. Denn wir wollen wissen, was passiert ist. Dann beantworten Sie einfach meine Fragen. Denken Sie einfach noch mal kurz darüber nach.“ Doch Monika R. blieb wortkarg. Ihre Verweigerung wirft die Frage auf, welche rechtlichen Konsequenzen eine solche Aussageverweigerung haben kann – insbesondere wenn es um die Aufklärung eines Kapitalverbrechens geht.
Die Rolle des Richters als Psychologe
Richter Holger Schütt agierte an diesem Tag nicht nur als Jurist, sondern auch als einfühlsamer Vermittler. Er versuchte, der Großmutter die Bedeutung ihrer Aussage für die Wahrheitsfindung nahezubringen. „Fabian wurde tot aufgefunden. Fabian kommt nicht zurück zu Ihnen. Würden Sie gerne wissen, was passiert ist?“, fragte er. Doch seine Strategie verfing nicht. Monika R. antwortete mit einem knappen „Nö“. Der Richter zeigte sich sichtlich bemüht, die Frau aus ihrer emotionalen Starre zu holen – vergeblich. Dieses Verhalten wirft ein Schlaglicht auf die psychologischen Hürden, die in Strafprozessen mit traumatisierten oder verweigernden Zeugen überwunden werden müssen.
Polizistin schildert den Fund: „Das Gesicht war wie eine Puppe“
Doch nicht nur die Großmutter sorgte für Aufsehen – auch eine Polizistin berichtete von ihrem grausamen Fund. Sie war eine der ersten Beamten am Tatort und schilderte detailliert, was sie vorfand. „Es war so, dass wir Fabian noch grob identifizieren konnten. Er war im Gesicht so stark verändert, dass wir ihn mit dem Foto nicht hätten erkennen können. Das Gesicht war zum Teil verbrannt. Es war wie eine Puppe. Der Leichnam lag auf dem Rücken“, erklärte sie. Diese nüchterne Beschreibung eines gewaltsamen Todes ließ im Gerichtssaal eine bedrückende Stille entstehen. Die Bilder, die die Beamtin in Worte fasste, waren so eindringlich, dass selbst hartgesottene Prozessbeobachter betroffen waren.
Mutter muss während der Schilderungen den Saal verlassen
Während die Oma jede Antwort verweigerte, verfolgte Fabians Mutter die Verhandlung aufmerksam. Sie war anwesend, als ihre Schwiegermutter aussagte, und hörte auch die Schilderungen der Polizistin. Doch als die Beamtin die Details des Leichenfundes beschrieb, wurde die Belastung für die Mutter zu groß. Eine Anwältin führte sie aus dem Saal. Dieser Moment verdeutlichte die emotionale Achterbahn, die dieser Prozess für die Familie bedeutet. Die Angeklagte Gina H. saß unterdessen mit Fußfesseln im Gerichtssaal und verfolgte die Aussagen – ihr Gesicht zeigte kaum Regung.
Sprachnachrichten enthüllen Eifersuchtsdrama
Neben den Zeugenaussagen spielte das Gericht auch Sprachnachrichten zwischen Fabians Vater und der Angeklagten vor. Diese Nachrichten gaben Einblick in die Dynamik der Beziehung und die Gründe für die Trennung. Offenbar spielte Eifersucht eine erhebliche Rolle. Matthias R., der Vater des Jungen, warf Gina H. vor, für sie alles aufgeben zu müssen – sogar sein eigenes Kind. In einer Nachricht der Angeklagten hieß es: „Im Endeffekt warst ja nicht Du das Problem, sondern ich, weil ich einfach im Mittelpunkt stehen möchte bei meinem Partner.“ Diese Aussage zeichnet das Bild einer Beziehung, die von gegenseitigen Vorwürfen und emotionalem Druck geprägt war.
Blockade bei Whatsapp einen Tag vor dem Verschwinden
Ein weiteres Detail, das die Ermittler ans Licht brachten: Einen Tag bevor Fabian verschwand, blockierte die Angeklagte seinen Vater bei Whatsapp. Diese Handlung könnte als Versuch gewertet werden, die Kommunikation zu unterbrechen und möglicherweise Spuren zu verwischen. Die Frage, ob zwischen dieser Blockade und dem späteren Tod des Kindes ein Zusammenhang besteht, beschäftigt die Staatsanwaltschaft. Der mordprozess fabian oma wirft damit nicht nur Fragen zur Großmutter auf, sondern auch zu den Beziehungen innerhalb der Familie und dem Umfeld des Jungen.
Die emotionale Distanz der Großmutter: Psychologische Erklärungsansätze
Wie lässt sich die emotionale Distanz der Großmutter zu ihrem toten Enkel erklären? Die Psychologie kennt verschiedene Modelle der Emotionsregulation in extremen Belastungssituationen. Eine Möglichkeit ist die sogenannte dissoziative Amnesie, bei der das Gehirn traumatische Ereignisse ausblendet, um das psychische Überleben zu sichern. Eine andere Erklärung könnte eine tiefsitzende Verdrängung sein, die es der Großmutter unmöglich macht, sich mit dem Tod des Enkels auseinanderzusetzen. Die wiederholte Aussage „Wenn ich nichts sagen kann, kann ich auch nichts sagen“ könnte ein Schutzmechanismus sein, der sie vor dem Wiedererleben des Traumas bewahrt. Alternativ könnte es sich um eine Form der emotionalen Abstumpfung handeln, die sich über Jahre in einer dysfunktionalen Familienstruktur entwickelt hat.
Nonverbale Kommunikation vor Gericht
Die Körpersprache von Monika R. sprach Bände. Ihr schwarzes T-Shirt mit dem provokativen Spruch, ihre verschränkten Arme, ihr starrer Blick – all dies sind nonverbale Signale, die von einer tiefen inneren Abwehrhaltung zeugen. In der Kommunikation vor Gericht spielen solche Signale eine wichtige Rolle. Richter und Anwälte sind geschult, nicht nur auf das Gesagte, sondern auch auf das Ungesagte zu achten. Die Wortkargheit der Zeugin könnte als bewusste oder unbewusste Strategie gewertet werden, die Wahrheitsfindung zu behindern. Doch Vorsicht ist geboten: Stille kann auch Ausdruck von Scham, Schuld oder Überforderung sein.
Staatsanwalt zeigt sich irritiert: „Warum wollen Sie nicht wissen, was passiert ist?“
Staatsanwalt Oliver Schley zeigte sich irritiert über die Aussagen der Zeugin. Er hakte nach und versuchte, die Motive für ihre Verweigerung zu ergründen. „Warum wollen Sie nicht wissen, was mit Fabian passiert ist, das war doch Ihr Enkel?“, fragte er. Darauf schwieg die Großmutter minutenlang. Diese Irritation ist nachvollziehbar: In einem Verfahren, das die Aufklärung eines Kindstodes zum Ziel hat, ist die Mitarbeit der nächsten Angehörigen von entscheidender Bedeutung. Wenn selbst die Großmutter keine Auskunft geben will oder kann, wird die Arbeit der Ermittler erheblich erschwert.
| Beteiligte Person | Rolle im Prozess | Verhalten / Aussage |
|---|---|---|
| Monika R. (61) | Zeugin, Großmutter des Opfers | Aussageverweigerung, wiederholtes „Nee, möchte ich nicht“ |
| Richter Holger Schütt | Vorsitzender Richter | Versuche der Gesprächsführung, Appelle an die Zeugin |
| Staatsanwalt Oliver Schley | Anklagevertreter | Irritation, Nachfragen zu den Motiven der Verweigerung |
| Polizistin (Name nicht genannt) | Zeugin, erste Ermittlerin am Tatort | Schilderung des Leichenfundes, Beschreibung der Verbrennungen |
| Gina H. (30) | Angeklagte | Saß mit Fußfesseln im Saal, verfolgte die Aussagen |
Ausblick: Der Prozess wird am 27. Mai fortgesetzt
Der Mordprozess Fabian wird am 27. Mai fortgesetzt. Das Gericht wird dann weitere Zeugen hören und die Beweisaufnahme fortsetzen. Die Frage, ob die Großmutter zu einem späteren Zeitpunkt doch noch aussagen wird, bleibt offen. Ihr Verhalten hat jedoch bereits jetzt gezeigt, wie schwierig es sein kann, in einem familiären Umfeld die Wahrheit ans Licht zu bringen. Die erschreckende Gleichgültigkeit einer Großmutter, die nicht wissen will, was mit ihrem Enkel passiert ist, wird die Prozessbeteiligten noch lange beschäftigen. Der Fall zeigt einmal mehr, dass Mordprozesse nicht nur die Frage nach der Schuld des Angeklagten klären, sondern auch die Abgründe menschlicher Beziehungen offenlegen. Die Macht des Schweigens kann manchmal ebenso viel verraten wie die lautesten Worte – und sie kann die Arbeit der Justiz bis an ihre Grenzen fordern.




