In Krefeld beginnt eine neue Ära der Kirchenarbeit
In Krefeld passiert das, wovon viele Gemeinden nur träumen: Die Kirche ist rappelvoll. Während bundesweit immer mehr Menschen austreten, bleibt sonntags in der Stadtpfarrkirche St. Dionysius keine Bank leer. Der Grund steht vorn am Altar – und in den sozialen Medien. Pfarrer David Grüntjens und Gemeindereferentin Michelle Engel haben ein Phänomen geschaffen, das weit über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinausstrahlt. Sie zeigen, wie moderne Kirche Influencer-Arbeit aussehen kann, ohne die Botschaft zu verraten. Ihr Account „diokirche_krefeld“ ist der erfolgreichste katholische Kanal im deutschsprachigen Raum, und das Erfolgsrezept ist überraschend einfach: Sie nehmen sich selbst nicht zu ernst.

Die beiden haben längst verstanden, dass Menschen heute anders angesprochen werden wollen. Kein steifer Kirchenjargon, keine moralische Keule – stattdessen begegnen sie ihren Followern auf Augenhöhe. Das kommt an: Mehr als 150.000 Menschen folgen ihnen auf Instagram und TikTok. Doch wie genau gelingt ihnen dieser Spagat zwischen Tradition und Moderne? Wir haben uns die sieben überraschendsten Geheimnisse dieses erfolgreichen Duos angesehen.
Geheimnis 1: Authentizität statt frommer Fassade
Das erste und vielleicht wichtigste Geheimnis der Krefelder Erfolgsgeschichte ist die radikale Ehrlichkeit. Pfarrer David Grüntjens und Michelle Engel verstecken sich nicht hinter einer professionellen Social-Media-Fassade. Sie zeigen den Alltag, wie er wirklich ist – mit allen Höhen und Tiefen. Das unterscheidet sie fundamental von vielen anderen kirchlichen Angeboten, die oft steif und unnahbar wirken.
Für die Community bedeutet das: Sie sehen echte Menschen, keine perfekt inszenierten Prediger. Wenn der Pfarrer mal einen Satz verhaspelt oder die Technik beim Drehen eines Reels streikt, wird das gezeigt. Diese Verletzlichkeit schafft Vertrauen. Viele junge Erwachsene, die sich von traditionellen Gottesdiensten nicht angesprochen fühlten, entdecken hier eine Gemeinde, die mit Humor und Alltagsnähe überzeugt. Die Botschaft ist klar: Glaube muss nicht perfekt sein, um echt zu sein.
Geheimnis 2: Die Macht der persönlichen Dynamik
Ein Blick auf ihre Social-Media-Strategie offenbart ein weiteres Erfolgsgeheimnis: das Zusammenspiel zwischen Pfarrer und Gemeindereferentin. Michelle Engel nennt ihren Chef liebevoll „Junge“ oder „Frengels“, er kontert mit „Mädchen“ oder „Chef“. Diese spielerische Dynamik ist ansteckend und unterhaltsam. Die beiden ergänzen sich perfekt: Während Grüntjens auf der Kanzel leidenschaftlich predigt, sorgt Engel dafür, dass die Botschaft auch online ankommt.
Sie filmt, schneidet und stellt die Clips ins Netz. Die Videos sind spontan und authentisch, zeigen die Kirche Influencer-Arbeit modern und nahbar. Ihre Follower lieben genau diese Dynamik. Es ist kein einstudiertes Theater, sondern echte Begegnung. „Wir können uns gegenseitig auf die Palme bringen wie kein anderer“, sagen die beiden lachend. Diese Chemie ist nicht kopierbar – und genau das macht sie so besonders für die wachsende Community.
Geheimnis 3: Humor als Brücke zum Glauben
Humor ist für das Duo der Schlüssel zu den Herzen der Menschen. Während viele kirchliche Angebote oft schwer und ernst daherkommen, setzen Grüntjens und Engel auf Leichtigkeit. „Unser Ziel ist es zu zeigen: Kirche kann auch Spaß machen“, sagt Michelle Engel. Dieser Satz ist Programm. In ihren Videos wird gelacht, getanzt und auch mal über die eigenen Missgeschicke gescherzt.
Das bedeutet nicht, dass der Glaube unwichtig wäre. Im Gegenteil: Gerade durch die lockere Atmosphäre entsteht Raum für echte Glaubensgespräche. Menschen, die sonst nie einen Fuß in eine Kirche setzen würden, schauen sich die Videos an und kommen ins Nachdenken. Der Humor ist die Brücke, die den Weg zum eigentlichen Inhalt ebnet. Das ist ein entscheidender Unterschied zu vielen anderen kirchlichen Social-Media-Auftritten, die oft mit erhobenem Zeigefinger daherkommen.
Geheimnis 4: Einblicke ins Privatleben schaffen Nähe
Ein weiteres Geheimnis des Erfolgs ist die Entscheidung, auch private Momente zu teilen. Beim Shoppen, Kochen oder Spieleabend läuft die Kamera mit. Immer wieder fällt dabei Grüntjens’ Lieblingssatz: „Das darf nicht ins Internet!“ – und landet am Ende natürlich doch dort. Diese kleinen Einblicke schaffen eine Verbindung, die weit über das übliche Pfarrer-Gemeinde-Verhältnis hinausgeht.
Für die Follower wird das Duo zu echten Menschen, zu Freunden, die man durch den Bildschirm hindurch zu kennen glaubt. Das ist der Kern moderner Kirche Influencer-Arbeit: Persönliche Einblicke schaffen Nähe und Vertrauen. Ein Gemeindemitglied, das selbst aktiv in sozialen Medien unterwegs ist, kann sich hier Tipps holen, wie man kirchliche Inhalte authentisch teilen kann. Die Grenzen zwischen öffentlicher Person und Privatmensch verschwimmen bewusst – und genau das macht die Community so stark.
Geheimnis 5: Gelassener Umgang mit Kritik
Trotz aller Erfolge gibt es auch Kritik – und die kommt vor allem aus den eigenen Reihen. In konservativeren kirchlichen Kreisen wird der lockere Ton des Duos oft kritisch beäugt. Manche fragen sich, ob ein Pfarrer und eine Gemeindereferentin sich wirklich so privat geben dürfen. Andere bemängeln, dass die ernsten Themen des Glaubens zu kurz kommen könnten.
Michelle Engel und David Grüntjens begegnen dieser Kritik mit bemerkenswerter Gelassenheit. „Das ist unsere Art, miteinander umzugehen. Wir respektieren uns – und werden uns nicht verbiegen“, sagt Engel. Diese Haltung ist ein wichtiges Geheimnis ihres Erfolgs. Sie lassen sich nicht von Kritikern verunsichern, sondern bleiben ihrem Stil treu. Gleichzeitig zeigen sie Verständnis für Bedenken und suchen das Gespräch. Ein Pfarrer aus einer anderen Stadt, der nach neuen Wegen sucht, um Menschen zu erreichen, kann hier lernen, dass Kritik sich mit Selbstbewusstsein und Offenheit begegnen lässt.
Geheimnis 6: Klare Grenzen trotz Nähe
Und dann ist da noch die Frage, die viele beschäftigt: Sind die beiden ein Paar? Die Antwort geben sie seit Jahren gleich. Grüntjens lebt als katholischer Pfarrer unter dem Zölibat, also enthaltsam und allein. Mit einem Augenzwinkern sagen sie sogar selbst: „Würden wir zusammen sein, würden wir uns umbringen.“ Diese klare Antwort ist ein weiteres Erfolgsgeheimnis.
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Trotz aller Nähe und Freundschaft haben die beiden klare Grenzen gezogen. Sie zeigen, dass eine tiefe, professionelle Freundschaft zwischen Mann und Frau möglich ist, ohne dass daraus eine romantische Beziehung werden muss. Diese Transparenz über persönliche Grenzen stärkt ihre Glaubwürdigkeit enorm. Für viele Follower ist diese Klarheit ein Vorbild – und ein Beweis dafür, dass moderne Kirche Influencer-Arbeit nicht bedeuten muss, die eigenen Prinzipien über Bord zu werfen.
Geheimnis 7: Die Kraft des gemeinsamen Projekts
Das Erfolgsgeheimnis des Duos liegt auch in ihrer Fähigkeit, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Ihr Buch „Dio-Mio – Wenn Kirche Spaß macht, entsteht ein Ort der Begeisterung“ schaffte es auf die Spiegel-Bestsellerliste. Das zeigt: Was in Krefeld passiert, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis harter Arbeit und einer klaren Vision.
Die beiden haben verstanden, dass sie gemeinsam stärker sind als allein. Während der eine predigt, filmt die andere. Während der eine die Gemeinde vor Ort begeistert, erreicht die andere die Menschen online. Diese Arbeitsteilung ist perfekt aufeinander abgestimmt. Für Eltern, die mit ihren Kindern über Kirche sprechen möchten, bieten die Videos eine ideale Gesprächsgrundlage. Sie zeigen, wie man Glauben ohne erhobenen Zeigefinger vermitteln kann – mit Humor, Nähe und ganz viel Persönlichkeit.
Was andere Gemeinden von Krefeld lernen können
Das Modell aus Krefeld ist nicht eins zu eins kopierbar – und das soll es auch nicht sein. Jede Gemeinde hat ihre eigene Identität, ihre eigenen Stärken. Was man aber lernen kann, ist die Haltung: Kirche muss nicht langweilig sein. Sie darf Spaß machen. Sie darf modern sein. Und sie darf die Menschen dort abholen, wo sie wirklich stehen – nämlich im Alltag, in den sozialen Medien, in den ganz normalen Lebenswelten.
Das Erfolgsrezept von Grüntjens und Engel lässt sich in wenigen Punkten zusammenfassen:
- Authentizität vor Perfektion: Zeigen Sie sich, wie Sie wirklich sind.
- Humor als Türöffner: Lachen verbindet und schafft Nähe.
- Klare Rollenverteilung: Jeder macht das, was er am besten kann.
- Gelassenheit bei Kritik: Bleiben Sie sich selbst treu.
- Transparenz über Grenzen: Ehrlichkeit schafft Vertrauen.
Die Krefelder zeigen, dass auch traditionelle Institutionen moderne Medien erfolgreich nutzen können. Der Schlüssel liegt nicht in der Technik, sondern in der Haltung. Wer Menschen wirklich erreichen will, muss ihnen auf Augenhöhe begegnen – und darf sich selbst nicht zu wichtig nehmen.
Häufig gestellte Fragen
Wie schaffen es die beiden, trotz Kritik aus den eigenen Reihen ihren Stil beizubehalten?
David Grüntjens und Michelle Engel begegnen kritischen Stimmen mit Gelassenheit und Selbstbewusstsein. Sie sind überzeugt von ihrem Weg, Kirche modern und nahbar zu präsentieren, und lassen sich nicht von traditionelleren Kreisen verunsichern. Gleichzeitig suchen sie das Gespräch mit Kritikern und zeigen Verständnis für unterschiedliche Perspektiven, ohne ihre eigene Linie aufzugeben.
Was ist der Unterschied zwischen dem Krefelder Modell und anderen kirchlichen Social-Media-Auftritten?
Der entscheidende Unterschied liegt in der Authentizität und der persönlichen Dynamik zwischen Pfarrer und Gemeindereferentin. Während viele kirchliche Accounts professionell, aber distanziert wirken, zeigen Grüntjens und Engel echte Begegnungen, Humor und private Einblicke. Ihr Account ist der erfolgreichste katholische Kanal im deutschsprachigen Raum, weil er Menschen auf Augenhöhe begegnet und nicht mit erhobenem Zeigefinger.
Eignet sich das Krefelder Modell auch für andere Gemeinden mit anderen Schwerpunkten?
Das Modell ist nicht eins zu eins kopierbar, aber die Grundprinzipien lassen sich auf jede Gemeinde übertragen. Authentizität, Humor und der Verzicht auf steifen Kirchenjargon sind universelle Erfolgsfaktoren. Jede Gemeinde sollte ihren eigenen Weg finden, diese Prinzipien umzusetzen – immer passend zur eigenen Identität und den örtlichen Gegebenheiten.




