Tennis am Rothenbaum: Schnaitter/Wallner greifen im Doppel an

Vom College-Campus auf die große Tennisbühne

Das Duo aus Wasserburg und München sorgt derzeit beim ATP-Turnier in Hamburg für Aufsehen und hat sich nach einem beeindruckenden Comeback-Sieg ins Viertelfinale gekämpft. Die beiden ehemaligen College-Spieler aus den USA haben einen ungewöhnlichen, aber erfolgreichen Weg eingeschlagen, der sie nun an den Rothenbaum geführt hat.

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Anders als viele ihrer Kollegen, die von klein auf auf Doppel spezialisiert sind, haben Schnaitter und Wallner ihren Fokus erst spät ausschließlich auf den Doppelbereich gelegt. Beide versuchten sich zunächst im Einzel, erkannten aber schnell, dass ihre Stärken im Zusammenspiel mit einem Partner besser zur Geltung kommen. Diese Entscheidung trafen sie gemeinsam und bewusst. „Es war eine Gemeinschaftsentscheidung“, sagt Schnaitter im Gespräch mit BILD. „Irgendwann war uns beiden klar, dass wir im Doppel viel, viel besser sind und da die Chance haben, große Turniere zu spielen. Dann war es fast eine logische, erwachsene Entscheidung.“

Die Gemeinschaftsentscheidung: Einzel aufgeben, Doppel pushen

Der Schritt, die Einzelkarriere zu beenden, fiel den beiden nicht leicht, aber sie bewerteten ihn überwiegend positiv. Wallner betont: „Wir haben es eher als Chance, denn als Risiko gesehen. Die Chance, auf größeren Turnieren zu spielen, was ja der Traum ist, wenn man anfängt, Tennis zu spielen. Wir haben die Chance gesehen, unsere Kindheitsträume zu erfüllen. Und nicht wirklich die Risiken dabei bedacht.“ Diese Einstellung prägt ihren gesamten Auftritt – fokussiert, pragmatisch und dennoch ambitioniert.

Im April 2024 feierten sie in München ihren ersten gemeinsamen ATP-Titel und bewiesen damit, dass ihre Entscheidung richtig war. Solche Erfolge sind die Früchte einer konsequenten Ausrichtung auf den Doppelsport, bei dem Taktik, Kommunikation und ein eingespieltes Miteinander entscheidend sind. Seit ihrem Zusammenschluss 2024 haben sie sich kontinuierlich in der Weltrangliste verbessert und stehen nun auf Platz 38. Ihr nächstes großes Ziel haben sie klar definiert: „Am Ende mindestens Top 30 sein, bestenfalls Top 20“, so Schnaitter.

Harmonie auch abseits des Platzes: Freundeskreis und Döner-Vorliebe

Doch nicht nur auf dem Court harmoniert das Duo. Neben dem sportlichen Erfolg spielt auch die persönliche Chemie eine wichtige Rolle. „Wir haben zu Hause einen ähnlichen Freundeskreis und machen viel zusammen“, erzählt Schnaitter. „Wir haben aber auch ein gutes Gespür dafür, wenn einer mal Abstand braucht.“ Diese Balance zwischen Nähe und Distanz ist in einer Sportart, in der man viele Stunden gemeinsam auf Reisen und im Training verbringt, unerlässlich.

Ein besonderes Beispiel für ihre unkomplizierte Art ist die gemeinsame Essensauswahl. Wallner lacht: „Wenn wir zu zweit unterwegs sind, ist es sehr leicht, uns auf ein Restaurant zu einigen.“ Meistens fällt die Wahl auf Döner oder Asia-Food. Schnaitter ergänzt augenzwinkernd: „Mark mag am liebsten, dass es so viel wie möglich ist, und dass man nicht so lange warten muss.“ Solche kleinen Anekdoten zeigen, dass die beiden auch außerhalb des Tennisplatzes ein eingespieltes Team sind, das sich gegenseitig unterstützt und ergänzt.

Wie finanzieren sich Doppelspieler, die nicht zu den Top-Ten der Welt gehören?

Eine Frage, die sich viele Fans stellen: Wie bestreiten Doppelspezialisten außerhalb der absoluten Weltspitze ihren Lebensunterhalt? Anders als im Einzel, wo die Preisgelder auch in frühen Runden beachtlich sein können, sind die Verdienstmöglichkeiten im Doppel geringer. Spieler wie Schnaitter und Wallner sind auf Turniererfolge und Sponsoring angewiesen. Ihr erster ATP-Titel in München brachte nicht nur Ranglistenpunkte, sondern auch ein ordentliches Preisgeld, das ihnen finanziellen Spielraum verschafft. Zudem profitieren sie von der Unterstützung des Deutschen Tennis Bundes und privater Förderer. Die Reisekosten, Trainingsausgaben und die Logistik müssen jedoch sorgfältig kalkuliert werden, sodass jeder Sieg auch ökonomisch von Bedeutung ist.

Comeback-Sieg in Hamburg: Der Weg ins Viertelfinale

Ihre jüngsten Erfolge haben sie weit nach vorne gebracht. Beim Turnier am Rothenbaum, den Bitpanda Open, zeigten Schnaitter und Wallner erneut ihre Klasse. Gegen das erfahrene Duo Francisco Cabral und Joe Salisbury lagen sie zwischenzeitlich zurück, kämpften sich aber zurück und gewannen am Ende verdient. Dieser Sieg unterstreicht ihre Moral und ihre Fähigkeit, auch in Drucksituationen einen kühlen Kopf zu bewahren. „Wir denken nur von Match zu Match. Das sagt man immer so, aber so ist es tatsächlich“, erklärt Schnaitter die Herangehensweise des Duos.

Das Viertelfinale in Hamburg ist für sie nicht nur sportlich wertvoll, sondern auch emotional besonders. Vor heimischem Publikum zu spielen, gibt ihnen zusätzlichen Auftrieb. Die Hamburger Tennisfans haben eine besondere Affinität zu Doppel-Nationen – schließlich gewannen Boris Becker und Michael Stich 1992 in Barcelona gemeinsam Olympia-Gold im Doppel, und Kevin Krawietz mit Andreas Mies sowie mit Tim Pütz haben in den letzten Jahren für deutsche Erfolge gesorgt. In dieser Tradition sehen sich Schnaitter und Wallner als nächste Generation.

Die College-Connection: Wie die USA-Erfahrung ihr Spiel prägt

Ein entscheidender Faktor für ihre Entwicklung ist ihre gemeinsame Zeit in den USA. Beide studierten an amerikanischen Colleges und spielten für deren Tennis-Teams. Das College-Tennis in den USA ist bekannt für seine intensive Mannschaftsatmosphäre und den hohen Trainingsumfang. Spieler lernen dort, unter Druck zu spielen und sich schnell an verschiedene Partner und Spielstile anzupassen. Diese Erfahrung kommt Schnaitter und Wallner nun im Doppel zugute.

Inwiefern hilft die gemeinsame College-Zeit bei der Kommunikation auf dem Platz?

Die Kommunikation auf dem Tennisplatz ist im Doppel von zentraler Bedeutung. Schnelle Absprachen, klare Kommandos und nonverbale Signale sind notwendig, um Lücken zu schließen und die gegnerische Formation zu durchbrechen. Schnaitter und Wallner haben während ihrer College-Zeit gelernt, sich in stressigen Matches kurz und präzise zu verständigen. Sie kennen die Stärken und Schwächen des jeweils anderen und können ihr Spiel darauf abstimmen. Diese Vertrautheit ermöglicht es ihnen, auch in engen Spielen die richtigen Entscheidungen zu treffen und sich gegenseitig zu motivieren.

Welche taktischen Besonderheiten zeichnen das Doppelspiel im Vergleich zum Einzel aus?

Das Doppelspiel unterscheidet sich grundlegend vom Einzel. Während im Einzel Laufarbeit und Grundlinienschläge dominieren, sind im Doppel Netzspiel, Volleys und eine gute Abstimmung mit dem Partner entscheidend. Der Service und Return gewinnen an Bedeutung, weil das Spiel schneller abläuft und die Angriffsschläge aus kurzer Distanz kommen. Die Positionierung der Spieler – einer am Netz, einer an der Grundlinie oder beide am Netz – erfordert taktisches Verständnis und Flexibilität. Schnaitter und Wallner haben sich diese Fähigkeiten im Laufe der Zeit angeeignet und perfektioniert, unterstützt durch die Vielzahl an Matches, die sie im College-Tennis und auf der Profitour bestritten haben.

Zielsetzung und nächste Turniere: Der Weg in die Top 30

Ihr kurzfristiges Ranglistenziel ist die Top 30, idealerweise die Top 20 bis 2026. Um dies zu erreichen, müssen sie bei den großen Turnieren konstant punkten. Von Hamburg aus geht es direkt weiter zu den French Open nach Paris. Die Sandplatzsaison ist für sie eine wichtige Phase, um weitere Weltranglistenpunkte zu sammeln. Danach folgen Rasenturniere, auf denen sie ebenfalls um Siege kämpfen werden. Ihr Erfolg in München hat ihnen gezeigt, dass sie auf jedem Belag mithalten können.

Die Tabelle unten gibt einen Überblick über ihre bisherigen Meilensteine und die anstehenden Ziele:

Ereignis / Ziel Datum / Zeitraum Anmerkung
Studium in den USA 2015–2023 College-Tennis an verschiedenen Universitäten
Erster ATP-Titel April 2024 (München) Gemeinsamer erster Titel auf der ATP Tour
Aktuelle Weltrangliste 2025 Platz 38 (Doppel)
Ziel bis 2026 2025–2026 Top 30, idealerweise Top 20
Nächstes großes Turnier French Open (Paris) Direkt im Anschluss an Hamburg

Was sind die nächsten großen Turniere für Schnaitter und Wallner nach Hamburg?

Nachdem sie ihre Aufgabe am Rothenbaum erfüllt haben, reisen die beiden direkt weiter zu den French Open nach Paris. Das Sandplatzturnier in Roland Garros ist eines der prestigeträchtigsten Events der Tennis-Saison. Hier können sie wertvolle Ranglistenpunkte sammeln, sollten sie die frühen Runden überstehen. Im Anschluss folgen die Rasenturniere in Stuttgart, Halle (Westfalen) und Wimbledon. Auch hier wollen sie ihre gute Form bestätigen und weiter an der Weltrangliste klettern. Ihr Coach und ihr Team haben einen klaren Turnierplan aufgestellt, der auf eine kontinuierliche Leistungssteigerung abzielt.

Die besondere Atmosphäre am Rothenbaum: Heimspiel als zusätzlicher Motivator

Die Stimmung am Rothenbaum ist für deutsche Spieler immer etwas Besonderes. Wenn Schnaitter und Wallner auf den Platz gehen, spüren sie die Unterstützung der Zuschauer. Diese Nähe zum Publikum kann bei knappen Spielen den entscheidenden Unterschied ausmachen. „Es ist ein tolles Gefühl, hier zu spielen“, sagt Wallner. „Die Leute feuern einen an, und das gibt uns noch einmal extra Energie.“ Diese Energie möchten sie nutzen, um möglichst weit im Turnier zu kommen.

Stellen Sie sich vor, die beiden müssten nach einem Regenschauer auf dem Centre Court ohne Aufwärmen sofort weiterspielen. Solche Szenarien sind auf der ATP Tour keine Seltenheit und erfordern mentale Stärke und Flexibilität. Schnaitter und Wallner haben in ihrer Karriere gelernt, mit solchen Unterbrechungen umzugehen und sich schnell wieder zu fokussieren. Ein weiteres hypothetisches Szenario: Was wäre, wenn einer der beiden eine leichte Verletzung hätte und sie taktisch umstellen müssten? Auch das haben sie im Training vorbereitet. Sie üben verschiedene Spielsituationen und sind darauf eingestellt, ihre Strategie spontan anzupassen.

Vielleicht treffen sie im Halbfinale auf ein erfahrenes deutsches Duo wie Kevin Krawietz und Tim Pütz, die ebenfalls in Hamburg am Start sind. Ein solches Aufeinandertreffen wäre nicht nur ein deutscher Doppel-Gipfel, sondern auch eine Standortbestimmung für Schnaitter und Wallner. Sie würden zeigen, dass sie mit den Besten mithalten können. Doch zunächst bleiben sie dem Motto treu, von Match zu Match zu denken und den nächsten Gegner zu analysieren.

Die kommenden Wochen werden zeigen, wie weit sie ihr Weg führt – von Hamburg aus direkt nach Paris, und hoffentlich noch weiter in die Weltspitze des Tennis-Doppels. Mit ihrer Einstellung, ihrer Harmonie und ihrem unerschütterlichen Glauben an den gemeinsamen Traum haben sie alle Voraussetzungen, um an die Erfolge ihrer Vorgänger anzuknüpfen und die deutsche Doppel-Tradition fortzusetzen. Die Tenniswelt sollte Schnaitter Wallner Hamburg und ihre weiteren Auftritte aufmerksam verfolgen – es könnte der Beginn einer vielversprechenden Karriere sein.

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