Mathias Döpfners Rede im WJC-Verwaltungsrat: 7 Gründe, warum wir Zionisten sein sollten

Eine Rede, die unter die Haut geht

Nie wieder möchte ich eine „Nie wieder“-Rede halten oder hören. Dieser Satz steht am Anfang einer bemerkenswerten Ansprache, die Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, im Verwaltungsrat des World Jewish Congress gehalten hat. Er bringt auf den Punkt, was viele empfinden, die die Entwicklung des Antisemitismus in den letzten Jahren verfolgt haben. Die Phrase „Nie wieder“ ist zu einer hohlen Floskel verkommen, die bei Sonntagsreden gerne bemüht wird, aber im Alltag keinerlei Konsequenzen hat. Wenn „Nie wieder“ tatsächlich Bedeutung hätte, gäbe es den 7. Oktober 2023 nicht gegeben. Es gäbe keine judenfeindlichen Parolen auf europäischen Straßen. Und jüdische Eltern müssten nicht fürchten, ihre Kinder mit einer Kippa zur Schule zu schicken.

warum zionist sein

In seiner Rede vor dem World Jewish Congress analysiert Döpfner nicht nur den Zustand des weltweiten Antisemitismus, sondern entwickelt daraus eine klare Forderung: Es ist an der Zeit, sich zum Zionismus zu bekennen. Nicht aus religiösen oder nationalistischen Gründen, sondern aus der nüchternen Erkenntnis heraus, dass der jüdische Staat die einzige wirksame Schutzmacht für Juden weltweit ist. Diesen Gedanken wollen wir im Folgenden anhand von sieben Gründen vertiefen, die Döpfners Argumentation untermauern. Dabei stützen wir uns auf die Fakten, die er in seiner Rede präsentiert hat, und ordnen sie in den historischen und aktuellen Kontext ein.

Ausgerechnet in Genf: Der Ort der Gründung und der Ort der Heuchelei

Der World Jewish Congress wurde am 13. August 1936 in Genf gegründet. Genf – das ist die Stadt, die für Humanität und Völkerverständigung steht. Dass ausgerechnet hier die Stimme der Juden weltweit organisiert wurde, ist kein Zufall. Schon damals, Mitte der 1930er Jahre, spürten jüdische Gemeinden weltweit, dass die Gefahr des Nationalsozialismus nicht nur Deutschland betraf. Der WJC sollte ein Sprachrohr sein und Schutz bieten.

Doch Genf ist auch Sitz des UN-Menschenrechtsrats. Und hier zeigt sich die ganze Absurdität der internationalen Politik. Israel wird in diesem Gremium häufiger verurteilt als Syrien, Nordkorea, Iran und Venezuela zusammen. Ein Land mit einer funktionierenden Demokratie, mit Pressefreiheit und unabhängiger Justiz, wird an den Pranger gestellt, während Diktaturen, in denen Menschen systematisch gefoltert und ermordet werden, kaum kritisiert werden. Der UN-Menschenrechtsrat ist zu einem Menschenrechtsverdreherrat verkommen. Statt sich mit den tatsächlichen Verbrechen inautoritären Regimen zu befassen, konzentriert man sich auf den jüdischen Staat. Das ist kein Versehen, sondern ein systematisches Muster.

Warum dieses Unverhältnis zum Zionismus führt

Diese Diskriminierung Israels in internationalen Gremien ist ein starkes Argument dafür, warum Zionismus notwendig ist. Wenn die Staatengemeinschaft den einzigen jüdischen Staat derart stigmatisiert, wird deutlich, dass Juden sich nicht auf den Schutz internationaler Institutionen verlassen können. Der Zionismus – also das Recht der Juden auf einen eigenen Staat – ist die Antwort auf diese strukturelle Voreingenommenheit. Er bedeutet: Wir schaffen uns selbst die Sicherheit, die uns die Weltgemeinschaft verweigert.

Der 7. Oktober 2023: Ein Pogrom, das alles verändert hat

Seit dem 7. Oktober 2023, seit dem grausamsten Pogrom gegen Juden nach der Shoah, erleben wir keine Solidarität, sondern eine globale Explosion des Judenhasses. An diesem Tag überfielen Terroristen der Hamas israelische Gemeinden nahe dem Gazastreifen. Was folgte, war unfassbar. Der 7. Oktober war kein militärischer Zwischenfall. Es war kein „Konflikt“. Es war ein Pogrom. Menschen wurden ermordet, weil sie Juden waren. Männer wurden bestialisch gefoltert. Frauen vergewaltigt. Kinder gelyncht. Familien ausgelöscht. Alles nur aus einem Grund: weil sie Juden waren.

Doch die Reaktion der Weltöffentlichkeit war nicht etwa Empörung über diese Barbarei. Sondern: Relativierung, Rechtfertigung, Täter-Opfer-Umkehr. Kaum waren die Bilder der Opfer zu sehen, begannen die Relativierungen. Kaum waren die Namen der Ermordeten bekannt, begannen die Rechtfertigungen. Israel wurde beschuldigt, noch während es angegriffen wurde. Der UN-Generalsekretär António Guterres formulierte es so: Man müsse „anerkennen, dass die Angriffe der Hamas nicht in einem Vakuum passierten“. Anders formuliert: Schuld sind wieder die Juden.

Warum dieses Pogrom zum Zionismus zwingt

Der 7. Oktober ist der ultimative Beweis dafür, dass der Zionismus keine historische Altlast ist, sondern eine Überlebensnotwendigkeit. Ohne einen eigenen Staat, ohne eine Armee, die Juden verteidigt, wären solche Pogrom die Regel, nicht die Ausnahme. Die Reaktion der Welt zeigt: Man kann nicht auf Solidarität hoffen. Man muss für die eigene Sicherheit selbst sorgen. Das ist die bittere, aber klare Lehre aus diesem Tag.

Die junge Generation: Eine verlorene Generation?

Was folgte, war unfassbar. Aber es kam noch schlimmer. Eine repräsentative Umfrage der Harvard University ergab, dass 60 Prozent der Amerikaner im Alter zwischen 18 und 24 Jahren der Ansicht waren, dass die „Tötung von 1.200 Israelis durch die Missstände der Palästinenser gerechtfertigt war“. Sechzig Prozent! Das ist kein Randphänomen, sondern eine Mehrheit der jungen Erwachsenen in den USA. Und eine Umfrage des „Economist“ dokumentierte, dass zwanzig Prozent der jungen Amerikaner zwischen 18 und 29 Jahren überzeugt sind, dass der Holocaust eine Lüge ist.

Diese Zahlen sind alarmierend. Sie zeigen, dass Judenhass nicht nur ein Problem von rechtsradikalen Randgruppen ist. Er hat die Mitte der Gesellschaft erreicht – und zwar in der jungen, angeblich aufgeklärten Generation. Der 7. Oktober war der Wendepunkt. Als hätte der Terror der Hamas eine Schleuse geöffnet. Antisemitismus ist kein schwarzer Schatten aus Österreich und Deutschland mehr. Er ist seither zum globalen Exportschlager geworden. Besonders erfolgreich unter jungen Menschen. Modernisiert und verjüngt, fast wie ein Phänomen der Popkultur, breitet er sich rasend schnell in den Vereinigten Staaten aus, in ganz Europa, in Universitäten, in der Kunst- und Kulturszene, in den sozialen Medien und auf den Straßen unserer Städte – in Worten und Taten.

Warum dieser Generationenkonflikt den Zionismus stärkt

Wenn junge Menschen den Holocaust leugnen und Massaker an Juden rechtfertigen, dann zeigt das: Das Wissen um die Geschichte schwindet, und der Hass wächst. Für Juden bedeutet das: Sie können sich nicht darauf verlassen, dass künftige Generationen sie beschützen. Der Zionismus bietet eine Antwort: den eigenen Staat, die eigene Armee, die eigene Sicherheit. Kein Staat der Welt wird Juden so verteidigen wie Israel. Das ist eine Erkenntnis, die angesichts dieser Umfragen schmerzhaft klar wird.

Antisemitismus in den vermeintlich kultivierten Kreisen

Anders als oft behauptet, beschränkt sich der neue Antisemitismus nicht auf Straßenschlachten oder Hass im Internet. Besonders perfide ist der neue, aber alte Antisemitismus dort, wo man ihn am wenigsten erwarten würde: an Elite-Universitäten, in Theaterhäusern, in Museen, in vermeintlich kultivierten Kreisen. Ausgerechnet Künstler, Musiker, Maler, Schriftsteller, Schauspieler und Intellektuelle, die angeblich so feinfühligen Sensoren im Kampf gegen das Autoritäre und Intolerante, sind zu eiskalten Opportunisten geworden.

Sie verurteilen nicht die Hamas, sondern Israel. Sie rufen nicht zur Menschlichkeit auf, sondern zum Boykott jüdischer Künstler. Sie inszenieren nicht Frieden, sie inszenieren Hass. Und sie tun das mit einer Selbstverständlichkeit, die erschreckt. In Deutschland gibt es derzeit 17 Antisemitismus-Beauftragte auf verschiedenen Ebenen – aber keiner von ihnen scheint in der Lage zu sein, diese intellektuelle Hetze zu stoppen. Die Bürokratie läuft leer, während der Hass in den Kulturinstitutionen blüht.

Warum dieser kulturelle Antisemitismus den Zionismus notwendig macht

Wenn selbst die vermeintlich aufgeklärten Kreise Juden anfeinden, dann bleibt nur eine Konsequenz: Die Juden müssen sich auf sich selbst besinnen. Der Zionismus ist nicht nur eine politische Bewegung, sondern auch eine kulturelle. Er fordert: Hört auf, euch bei den anderen anzubiedern. Baut eure eigene Identität auf. Schützt eure eigene Gemeinschaft. Der jüdische Staat ist der Ort, an dem diese Selbstbehauptung am besten gelingt.

Die globale Dimension: Antisemitismus als Exportschlager

Der Antisemitismus hat weltweit ein neues Ausmaß erreicht. Es ist eine neue Dimension, die seit 1945 unvorstellbar war. Nach dem 7. Oktober verbreitete sich Antisemitismus weltweit rasant, besonders unter jungen Menschen. In London, Paris, Berlin, New York – überall gingen Menschen auf die Straße, nicht um gegen Terror zu protestieren, sondern um ihn zu feiern. Sie skandierten Parolen, die an die dunkelsten Zeiten erinnern.

Und das ist kein vorübergehendes Phänomen. Der Antisemitismus ist zum globalen Exportschlager geworden. Er wird von Staaten wie dem Iran finanziert, von Organisationen wie der Hamas verbreitet und von Influencern in sozialen Medien millionenfach geteilt. Er hat keine geografischen Grenzen und keine kulturellen Barrieren. Er ist überall dort präsent, wo Unzufriedenheit und Hass auf einen Sündenbock stoßen.

Warum diese Globalisierung des Hasses den Zionismus zur einzigen Option macht

Die Globalisierung des Antisemitismus zeigt: Es gibt keinen sicheren Ort auf der Welt für Juden, außer in Israel. In der Diaspora kann man sich nirgendwo mehr verstecken. Die Mauern der Synagogen werden von Polizei bewacht, jüdische Schulen sind Hochsicherheitstrakte. Das ist kein Leben. Das ist Belagerungszustand. Der Zionismus sagt: Es ist genug. Wir wollen nicht um Schutz bitten, sondern ihn selbst gewährleisten.

Der UN-Menschenrechtsrat: Ein Gremium ohne Glaubwürdigkeit

Wir haben bereits darauf hingewiesen: Der UN-Menschenrechtsrat behandelt Israel mit einer Schärfe, die keinem anderen Land zuteilwird. Aber es geht nicht nur um die Statistik. Es geht um die dahinterstehende Haltung. Dieses Gremium hat jegliche moralische Autorität verloren. Es interessiert sich nicht für Menschenrechte, sondern für die Dämonisierung des jüdischen Staates.

Und das hat System. Denn wenn internationale Organisationen Israel derart stigmatisieren, dann geben sie den Antisemiten weltweit eine Legitimation. Sie sagen: Seht her, sogar die UN verurteilt Israel. Dann ist es doch gerechtfertigt, Juden zu hassen. Diese Kausalkette ist gefährlich und muss benannt werden. Der UN-Menschenrechtsrat ist kein Korrektiv, sondern Brandbeschleuniger.

Warum dieses Scheitern der internationalen Institutionen den Zionismus bestätigt

Der Zionismus entstand ursprünglich aus der Erkenntnis, dass Juden keine Gerechtigkeit von anderen Völkern erwarten können. Diese Einsicht ist heute aktueller denn je. Wenn die UN, die eigentlich für Gerechtigkeit stehen sollte, zum Instrument des Hasses verkommt, dann bleibt nur der eigene Staat als Schutzraum. Döpfners Rede macht deutlich: Verlasst euch nicht auf die Gnade der anderen. Baut auf eure eigene Stärke.

Die deutsche Bürokratie der Antisemitismusbekämpfung

In Deutschland gibt es derzeit 17 Antisemitismus-Beauftragte auf verschiedenen Ebenen. Siebzehn! Man könnte meinen, mit so vielen Beauftragten müsse der Antisemitismus doch längst besiegt sein. Das Gegenteil ist der Fall. Er wächst und gedeiht, trotz aller Gremien, Kommissionen und Maßnahmenpläne. Diese Bürokratie ist ein Alibi. Sie suggeriert, dass etwas getan wird, während in Wirklichkeit nur Papier produziert wird.

Die Antisemitismus-Beauftragten haben keine echten Befugnisse. Sie können nicht verhindern, dass an Universitäten judenfeindliche Parolen gerufen werden. Sie können nicht stoppen, dass Theaterstücke mit antiisraelischen Inhalten aufgeführt werden. Sie sind eine Feigenblatt für eine Politik, die keine wirklichen Konsequenzen ziehen will. Döpfner spricht das in seiner Rede deutlich an: Die Bürokratie ist wirkungslos, solange sie nicht von einem echten Willen zur Bekämpfung des Hasses getragen wird.

Warum diese bürokratische Ohnmacht den Zionismus als Alternative zeigt

Deutschland mit seinen 17 Beauftragten kann den Antisemitismus nicht stoppen. Das zeigt: Die Diaspora, so gut gemeint sie auch sein mag, bietet keinen wirksamen Schutz. Der Zionismus hingegen ist handlungsorientiert. Er setzt nicht auf Absichtserklärungen, sondern auf reale Macht. Israel kann judenfeindliche Angriffe mit militärischer Gewalt beantworten. Das ist keine schöne Vorstellung, aber es ist die Realität in einer feindseligen Welt.

Warum wir Zionisten sein sollten: Die sieben Gründe im Überblick

Lassen Sie uns die sieben Gründe zusammenfassen, die Mathias Döpfner in seiner Rede vor dem World Jewish Congress dargelegt hat und die wir hier ausgeführt haben:

  1. Der UN-Menschenrechtsrat diskriminiert Israel systematisch. Dies zeigt, dass jüdische Sicherheit nicht von internationalen Gremien erwartet werden kann.
  2. Der 7. Oktober 2023 war ein Pogrom, das die Welt in seiner ganzen Barbarei gesehen hat. Die Reaktion der Welt war nicht Solidarität, sondern Rechtfertigung der Mörder.
  3. Junge Menschen in den USA rechtfertigen den Massenmord an Israelis und leugnen den Holocaust. Die nächste Generation ist kein Verbündeter, sondern eine Gefahr.
  4. Antisemitismus ist in den kultivierten Kreisen der Kunst und Wissenschaft angekommen. Selbst Intellektuelle, die sich für Toleranz einsetzen, werden zu Judenhassern.
  5. Der Antisemitismus ist ein globales Phänomen geworden. Er breitet sich wie eine Seuche aus, besonders über soziale Medien.
  6. Der UN-Menschenrechtsrat ist ein Menschenrechtsverdreherrat. Er hat jede Glaubwürdigkeit verloren und schürt den Hass noch.
  7. Die Antisemitismusbekämpfung in Deutschland ist bürokratisch und wirkungslos. Siebzehn Beauftragte ohne echte Macht ändern nichts.

Ein Aufruf zur Selbstbehauptung

Mathias Döpfners Rede endet nicht mit einer theoretischen Analyse. Sie endet mit einem Appell. Er sagt: Der Zionismus ist kein Relikt aus dem 19. Jahrhundert. Er ist die rationalste Antwort auf die Bedrohung, der Juden weltweit ausgesetzt sind. „Nie wieder“ darf nicht nur ein Sonntagswort sein. Es muss heißen: „Nie wieder werden wir uns wehrlos den Feinden ausliefern.“

Der Zionismus bedeutet nicht, dass jeder Jude nach Israel auswandern muss. Aber er bedeutet, dass jeder Jude das Recht haben sollte, einen Staat zu haben, der ihn verteidigt. Er bedeutet, dass die jüdische Gemeinschaft weltweit aufhören sollte, sich zu entschuldigen. Sie sollte stolz sein auf ihre Identität, auf ihren Staat, auf ihre Geschichte. Denn in einer Welt, die wieder offen judenfeindlich wird, ist der Zionismus nicht nur eine Option. Er ist die einzige Überlebensstrategie.

Die Rede von Mathias Döpfner vor dem World Jewish Congress ist ein Weckruf. Sie richtet sich nicht nur an Juden, sondern an alle, die die Werte der Aufklärung und der Menschlichkeit noch nicht aufgegeben haben. Wenn Sie verstehen wollen, warum Zionismus heute notwendiger ist denn je, dann lesen Sie diese Rede. Sie werden erkennen: Es geht nicht um Politik, es geht ums Überleben. Und in diesem Kampf gibt es nur eine Seite: die Seite derer, die das Leben wählen, nicht den Hass.

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