Der 1,8-Milliarden-Dollar-Fonds: Ein geheimes Entschädigungssystem für Trumps Getreue?
Ein geheimer Entschädigungsfonds von fast 1,8 Milliarden Dollar könnte Hunderte Trump-Unterstützer und sogar Kapitol-Stürmer belohnen – das sorgt für Empörung. Der sogenannte “Anti-Weaponization Fund” soll offiziell politisch verfolgten Opfern des US-Justizapparats zugutekommen. Doch aus dem Topf könnten ausgerechnet jene Personen entschädigt werden, die nach dem Angriff auf das Kapitol am 6. Januar 2021 strafrechtlich verurteilt wurden. Trump hatte sie vor gut einem Jahr kollektiv begnadigt. Die Vereinbarung entstand zwischen dem Justizministerium und der Steuerbehörde IRS – beide Teile von Trumps eigener Regierung. Die Kapitol-Randalierer-Entschädigung wirft grundlegende Fragen zur Rechtmäßigkeit und politischen Instrumentalisierung von Steuergeldern auf.

Der Fonds mit dem offiziellen Namen “Anti-Weaponization Fund” soll sich an jene richten, die nach eigenen Angaben Opfer einer politisch motivierten Waffe des Justizapparats wurden. Trump selbst behauptet, dass unter seinem Vorgänger Joe Biden er selbst, seine Berater und viele seiner Anhänger Opfer politisch motivierter Anklagen geworden seien. Die Einigung zwischen Justizministerium und IRS ermöglicht nun die Auszahlung von fast 1,8 Milliarden Dollar – ein Betrag, der die Grenzen eines normalen Entschädigungsfonds bei Weitem sprengt. Kritiker sehen darin weniger einen Entschädigungsmechanismus als vielmehr ein Instrument zur Belohnung von Trump-Loyalisten. Der Fonds könnte so zu einem zentralen Instrument der politischen Patronage werden, bei dem sich Ex-Präsident Trump persönlich für seine Unterstützer revanchiert.
Welche Personen könnten aus dem Fonds begünstigt werden?
Die Liste der potenziell Begünstigten reicht von ehemaligen hochrangigen Beratern bis hin zu verurteilten Straftätern, die am Sturm auf das Kapitol beteiligt waren. Damit ist die Kapitol-Randalierer-Entschädigung kein abstrakter Vorgang, sondern betrifft konkrete Personen mit teils spektakulären Strafakten.
Ehemalige Trump-Berater und Strategen
Mehrere langjährige Vertraute Trumps haben bereits mit hohen Forderungen auf sich aufmerksam gemacht. Ex-Kommunikationsberater Michael Caputo verlangt rund 2,7 Millionen Dollar Entschädigung für frühere Untersuchungen möglicher Russland-Kontakte, die gegen ihn geführt wurden. Steve Bannon, einstiger Stratege Trumps und wegen Missachtung des Kongresses verurteilt, könnte ebenfalls Geld aus dem Fonds erhalten. Auch der wegen Meineids während der Russland-Ermittlungen belangte Ex-General Mike Flynn sowie der umstrittene Politberater Roger Stone werden als mögliche Begünstigte genannt. All diese Personen sehen sich selbst als Opfer einer politisierten Justiz, die unter Biden agiert habe.
Verurteilte Kapitol-Stürmer und Milizenmitglieder
Besonders brisant ist die mögliche Entschädigung für Teilnehmer des Kapitol-Sturms vom 6. Januar 2021. Jacob Chansley, bekannt als “QAnon-Schamane”, wurde bei der Gewaltorgie mit Gesichtsbemalung und Hörner-Kostüm zu einer Symbolfigur der Attacke. Er saß mehrere Jahre im Gefängnis und könnte nun ebenfalls Ansprüche anmelden. Darüber hinaus könnten Mitglieder der rechtsextremen Milizen “Proud Boys” und “Oath Keepers” von dem Fonds profitieren. Diese Gruppen waren maßgeblich an der gewaltsamen Besetzung des Kapitols beteiligt und wurden teils zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Vorstellung, dass dieselben Personen, die für den Angriff auf die Demokratie verurteilt wurden, nun aus Steuermitteln entschädigt werden, stößt auf breite Ablehnung.
Die unsichtbaren Kriterien: Wer gilt überhaupt als “Opfer”?
Eine der zentralen Fragen dreht sich um die Definition von “politischer Verfolgung”. Offiziell sollen nur solche Antragsteller entschädigt werden, die nachweislich Opfer einer politisch motivierten Justiz wurden. Doch die Kriterien für diese Einstufung sind nicht öffentlich bekannt. Weder das Justizministerium noch die IRS haben bisher transparent gemacht, nach welchen Maßstäben eine politische Verfolgung festgestellt wird. Juristen vermuten, dass die Definition bewusst weit gefasst sein könnte, um möglichst vielen Trump-Anhängern eine Entschädigung zu ermöglichen. Für Betroffene, deren Straftaten etwa nur aus geringfügigen Ordnungswidrigkeiten während Protesten bestanden, könnte dies eine Chance sein – ebenso wie für Personen, die wegen schwerer Straftaten wie Landfriedensbruch oder Körperverletzung verurteilt wurden.
Die Geheimkommission: Entscheidungen im Verborgenen
Wer über die Auszahlungen der Kapitol-Randalierer-Entschädigung entscheidet, ist ebenso umstritten wie der Fonds selbst. Trumps Justizminister Todd Blanche, der den Deal mit der IRS aushandelte, soll eine fünfköpfige Kommission ernennen. Die Identität dieser Kommissionsmitglieder bleibt geheim – offiziell aus “Schutz der Privatsphäre”. Auch die Entscheidungen selbst sind nicht offen einsehbar. Weder die Namen der Empfänger noch die Höhe der einzelnen Entschädigungen müssen veröffentlicht werden. Dieses Maß an Intransparenz ist in der Geschichte der US-Exekutive beispiellos.
Kritiker sehen darin die Gefahr einer “schwarzen Kasse”, die nach politischen statt nach rechtlichen Kriterien verwaltet wird. Denn ohne öffentliche Kontrolle können einseitige Entscheidungen kaum aufgehalten werden. Die Kommission könnte etwa entscheiden, nur Personen mit einer bestimmten politischen Gesinnung oder nur jene Trump-Anhänger zu berücksichtigen, die sich besonders loyal gezeigt haben. Die Unsichtbarkeit der Entscheidungsprozesse macht es unmöglich, Missbrauch nachzuweisen. Für Steuerzahler bedeutet dies, dass sie keinerlei Transparenz darüber erhalten, wie ihre Abgaben verwendet werden.
Mögliche Kriterien für die Antragstellung
Auch wenn die konkreten Kriterien nicht veröffentlicht sind, lassen sich aus den politischen Äußerungen Trumps und seiner Berater einige Rückschlüsse ziehen. Als “politisch verfolgt” dürften jene gelten, die im Rahmen von Ermittlungen zu Russland-Kontakten, zum Ukraine-Skandal oder zum Kapitol-Sturm belangt wurden. Auch Personen, die wegen der Teilnahme an Protesten gegen Maßnahmen der Biden-Regierung verurteilt wurden, könnten sich als Opfer betrachten. Die Bandbreite reicht von einfachen Ordnungswidrigkeiten bis hin zu schweren Straftaten. Eine genaue Liste mit nachvollziehbaren Kriterien gibt es nicht, was die Willkür der Entscheidungen weiter vergrößert.
| Personengruppe | Beispiele | Mögliche Entschädigungshöhe |
|---|---|---|
| Ehemalige Trump-Berater | Michael Caputo, Steve Bannon, Roger Stone, Mike Flynn | Hohe Millionenbeträge (Caputo fordert 2,7 Mio.) |
| Symbolfiguren des Kapitol-Sturms | Jacob Chansley (QAnon-Schamane) | Unbekannt, potenziell hohe sechsstellige Beträge |
| Mitglieder rechtsextremer Milizen | Proud Boys, Oath Keepers | Unbekannt, möglicherweise Sammel-Entschädigungen |
| Personen mit geringfügigen Verurteilungen | Teilnehmer an Protesten mit Ordnungswidrigkeiten | Niedrige bis mittlere vierstellige Beträge |
Immunität für Trump und seine Familie: Ein Steuerparadies auf Staatskosten?
Ein weiterer brisanter Aspekt des Deals betrifft Trump selbst und seine Familie. Im Rahmen der Einigung zwischen Justizministerium und IRS erhalten Trump, seine Familienmitglieder und deren Firmen volle Immunität vor Steuerprüfungen. Das bedeutet, dass die Steuerbehörde IRS keine Nachforschungen zu Steuererklärungen Trumps oder seiner Firmen anstellen darf – unabhängig von eventuellen Unregelmäßigkeiten oder Straftaten. Diese Klausel ist in der Geschichte der US-Steuerverwaltung einmalig.
Kritiker sehen darin den eigentlichen Kern des Deals: Trump nutzt die Kapitol-Randalierer-Entschädigung als Deckmantel, um sich selbst und sein Umfeld vor steuerrechtlicher Verfolgung zu schützen. Die Immunität gilt nicht nur für vergangene, sondern auch für künftige Steuerjahre. Damit entzieht sich Trump einer der wenigen verbliebenen Kontrollinstanzen, die ihm nach dem Ende seiner Präsidentschaft noch gefährlich werden könnten. Die IRS hatte in der Vergangenheit mehrfach versucht, Steuerhinterziehungen und undurchsichtige Geschäftspraktiken der Trump-Organisation zu untersuchen – dieser Weg ist nun versperrt.
Der IRS als politisches Werkzeug?
Die Rolle der Steuerbehörde in diesem Deal wirft zusätzliche Fragen auf. Die IRS war einst als unabhängige Behörde konzipiert, die ohne politische Einflussnahme Steuern eintreibt und Prüfungen durchführt. Nun hat sie sich auf einen Deal eingelassen, der ausgerechnet den mächtigsten Steuerzahler des Landes von Prüfungen ausnimmt. Dies könnte als Missbrauch der Steuerbehörde für politische Zwecke interpretiert werden. Zudem entsteht der Eindruck, dass die IRS ihre Unabhängigkeit aufgegeben hat, um Teil eines politischen Tauschgeschäfts zu werden. Experten warnen, dass dieser Präzedenzfall die Glaubwürdigkeit der gesamten Steuerverwaltung untergraben könnte.
Politische Reaktionen: Korruption am helllichten Tag
Die Reaktionen aus der Politik fallen scharf aus. Demokraten-Senator Chuck Schumer protestierte gegen eine “schwarze Kasse” für Trump-Loyalisten, aus der Verbündete, Loyalisten und Aufständische belohnt werden würden. Er sprach von “Korruption am helllichten Tag” und kündigte an, alle rechtlichen Mittel gegen den Fonds auszuschöpfen. Auch mehrere republikanische Senatoren äußerten sich besorgt, wiesen jedoch darauf hin, dass Trump als Präsident weitreichende exekutive Befugnisse hat. Eine offene Ablehnung aus den Reihen der Republikaner ist bislang ausgeblieben, was auf die fortbestehende Loyalität zu Trump hindeutet.
Juristen und Verfassungsrechtler sehen in dem Fonds eine verfassungsrechtliche Grauzone. Die Frage, ob ein Präsident einfach einen Milliardenfonds für seine persönlichen Günstlinge schaffen kann, ohne dass der Kongress zustimmt, ist rechtlich ungeklärt. Der Kongress hat das Budgetrecht, doch Exekutivvereinbarungen zwischen Ministerien können unter bestimmten Umständen ohne explizite Zustimmung des Parlaments getroffen werden. Ob der “Anti-Weaponization Fund” legal ist, müsste letztlich der Supreme Court entscheiden. Bislang ist keine Klage anhängig, doch Schumer kündigte eine entsprechende Initiative an.
Die Perspektive der Steuerzahler
Für Sie als Steuerzahler stellt sich die Frage, ob Ihre Abgaben in diesen Fonds fließen und wie Sie dagegen vorgehen könnten. Der Fonds wird aus Steuermitteln gespeist, die durch die IRS eingezogen wurden. Da die IRS Teil des Deals ist, sind diese Mittel rechtlich einwandfrei bereitgestellt worden – soweit man die Exekutivbefugnisse als ausreichend betrachtet. Ein Widerspruch gegen die Verwendung von Steuergeldern für politische Zwecke ist auf individueller Ebene schwierig, da der Haushalt durch Exekutivakte festgelegt wird. Organisationen wie die American Civil Liberties Union (ACLU) oder Common Cause prüfen derzeit rechtliche Schritte, um die Transparenz des Fonds zu erzwingen. Als Steuerzahler können Sie politischen Druck auf Ihre Abgeordneten ausüben, um eine parlamentarische Untersuchung zu fordern.
Verfassungsrechtliche Fragen und der Präzedenzfall für die Zukunft
Die Schaffung eines solchen Fonds wirft grundlegende Fragen zur Gewaltenteilung und den exekutiven Befugnissen des Präsidenten auf. Darf ein Präsident eigenmächtig Milliardenbeträge an politische Verbündete verteilen, ohne dass der Kongress oder die Justiz kontrollierend eingreifen? Verfassungsrechtler sind sich uneinig: Einige argumentieren, dass die Exekutive im Rahmen der “Take Care Clause” der US-Verfassung verpflichtet ist, Steuergelder nur für rechtmäßige Zwecke auszugeben – und die Belohnung von Kapitol-Randalierern sei kein rechtmäßiger Zweck. Andere verweisen auf das Ermessen des Präsidenten bei der Verwendung von Mitteln, die durch Vergleiche mit anderen Behörden freigesetzt werden. Die Rechtsprechung des Supreme Courts zu Exekutivfonds ist dürftig, sodass kein klarer Präzedenzfall existiert.
Die möglichen Auswirkungen auf die Zukunft sind erheblich. Wenn Trump ungestraft einen Milliardenfonds für seine Anhänger schaffen kann, könnte jeder künftige Präsident dasselbe tun. Ein demokratischer Präsident könnte etwa einen Fonds für Opfer von Polizeigewalt einrichten, ein republikanischer Präsident einen Fonds für Abtreibungsgegner. Der Präzedenzfall würde die Grenzen exekutiver Macht extrem ausweiten und die Budgetkontrolle des Kongresses aushöhlen. Die Kapitol-Randalierer-Entschädigung wäre dann nicht mehr ein Einzelfall, sondern der Beginn einer neuen Ära politischer Patronage auf Kosten der Steuerzahler.
Was bedeutet dies für politische Aktivisten?
Wenn Sie politisch aktiv sind und sich gegen die intransparente Vergabe von Steuergeldern einsetzen möchten, stehen Ihnen mehrere Wege offen. Sie können Petitionen an Ihren Abgeordneten im Kongress richten, die Veröffentlichung der Kriterien und Empfängernamen fordern. Sie können an Demonstrationen vor dem Justizministerium oder dem IRS-Hauptsitz teilnehmen. Zivilgesellschaftliche Organisationen wie Public Citizen oder Democracy 21 haben bereits angekündigt, Klagen einzureichen – als Unterstützer können Sie diese Organisationen finanziell oder durch öffentliche Solidarität fördern. Die Transparenz des Fonds ist letztlich eine Frage des öffentlichen Drucks. Je mehr Bürger sich empören, desto wahrscheinlicher wird eine gerichtliche Überprüfung.
Die Position der Trump-Anhänger
Trump-Anhänger, die möglicherweise selbst eine Entschädigung aus dem Fonds beantragen möchten, stehen vor einem undurchsichtigen Verfahren. Die Kommission nimmt Anträge entgegen, aber die Kriterien sind nicht öffentlich. Vermutlich ist ein Nachweis erforderlich, dass die betreffende Person tatsächlich Gegenstand einer politisch motivierten Strafverfolgung war. Dazu könnten Gerichtsdokumente, Presseberichte über die angebliche Politisierung des Verfahrens oder eidesstattliche Versicherungen gehören. Aufgrund der Geheimhaltung ist unklar, ob abgelehnte Anträge anfechtbar sind. Ohne öffentliche Kontrolle bleibt die Entscheidung der Kommission faktisch unwiderruflich.
Die Macht eines Präsidenten, finanzielle Mittel nach eigenem Gutdünken zu verteilen, wird durch diesen Deal auf eine neue Stufe gehoben. Der “Anti-Weaponization Fund” ist kein bloßer Entschädigungsfonds – er ist ein politisches Signal: Trump zeigt, dass er seine Unterstützer nicht nur politisch, sondern auch finanziell belohnen kann. Und er schützt sich selbst vor Steuerprüfungen. Die Empörung der Demokraten mag lauter sein als die der Republikaner, doch das eigentliche Problem ist struktureller Natur: Mit dem Fonds wird ein Mechanismus geschaffen, der die Gewaltenteilung untergräbt und Steuergelder zur politischen Patronage umfunktioniert. Die zentrale Frage für die nächsten Monate lautet, ob der Kongress oder die Justiz diese Entwicklung stoppen kann – oder ob offene Willkür zur neuen Normalität wird. Für jeden, der an die Rechtsstaatlichkeit und die Kontrolle exekutiver Macht glaubt, bleibt dieser Fonds ein alarmierender Präzedenzfall, dessen Folgen weit über die konkrete Kapitol-Randalierer-Entschädigung hinausreichen.




